Was bin ich froh!

Mal wieder sitze ich im Zug; ein Kind quengelt am anderen Ende des Abteils, dann hört es auf. Als es mit seinen Eltern ein paar Stationen später aussteigt, sehe und höre ich es wieder: ein kleines Mädchen, vielleicht fünf Jahre alt. Sie schreit und tobt und schlägt den vor ihr gehenden Vater auf den Hintern – bis dieser sein Handy aus der Hosentasche zieht und ihr hinhält. Dann starrt sie beim Aussteigen still aufs Display. Ich bin keine Expertin in Erziehungsfragen, aber innerlich lege ich die Stirn in Falten. Hier wird ein Tobsuchtsanfall belohnt. Ein Kind setzt seinen Willen durch, obwohl die Eltern anders entschieden hatten – und hat buchstäblich den letzten Schrei. Und die Eltern erlauben ihrem Kind etwas, was zumindest weder Kreativität fördert noch als `pädagogisch wertvoll´ gilt. Ich ahne, womit das Mädchen schon die Stunde Zugfahrt vorher verbrachte: mit kindgerechten und die Medienkompetenz schulenden Video-Spielen.

Was bin ich froh, dass Mobiltelefone noch nicht omnipräsent waren, als wir kleine Kinder hatten! Wir konnten sie und uns sehr lange vor den digitalen Medien bewahren – und taten es entschlossen und konsequent. Ich würde es heute noch genauso tun, aber es wäre wahrscheinlich deutlich anstrengender.

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