Einfach genial

Manche Aquarelle von August Macke sehen so einfach aus, dass man meint, jeder könnte so malen. Aber es kommt eben nicht jeder auf die Idee, Alltagsszenen in derart knalligen Farben und mit wenigen Formen aufs Papier zu bringen.

„Ein Leben mit Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat Loriot gesagt. Ein kurzer Allerweltsatz, denkt man, und so einfach. Aber es ist eben nicht jeder in der Lage, einer ernst gemeinten Aussage eine derartige Komik zu verleihen.

Weniger ist mehr, heißt es: Wie wahr! Noch so ein Satz – einfach genial!

Schwere Entscheidung

„Wer jede Entscheidung zu schwernimmt, kommt zu keiner.“
Harold Macmillan

Ich weiß eigentlich schon meistens, was ich will, aber mich dann dementsprechend zu verhalten, empfinde ich als herausfordernd: Ich möchte niemanden übergehen und mir andere Optionen offenhalten. Dabei liegt es nicht in meiner Hand, ob jemand sich aufgrund meiner Entscheidung übergangen fühlt; und auf zwei Hochzeiten kann man nicht tanzen.

Auf jeden Fall dauert es bei mir oft lange, bis ich einer Entscheidung Taten folgen lasse. Das ist ärgerlich, denn gedanklich bin ich entsprechend lange damit beschäftigt – und dabei nicht nur fröhlich: „Wer jede Entscheidung zu schwernimmt, bekommt schlechte Laune.“

Inspirierend

Ich telefoniere mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen habe. Sie hat eine Autoimmunerkrankung und kann von Jahr zu Jahr weniger, aber das ist nur am Rande Thema. Stattdessen reden wir über alles Mögliche sonst, auch über unsere Kinder und meinen Job. Sie fragt interessiert nach und klagt wenig bis gar nicht: „Wenn ich mich von meiner Krankheit runterziehen lasse, geht es mir auch nicht besser …, aber manchmal jammere ich auch, glaub mir.“ Am Ende ermutigt sie mich hinsichtlich einer Entscheidung, die bei mir in den nächsten Wochen ansteht.

Ich bewundere ihre grundsätzlich positive Sicht, auf das, was noch geht, ihre unerschütterliche Entschlossenheit, irgendwie in Bewegung zu bleiben, und ihr ehrliches Interesse. Davon kann ich mir eine Scheibe abschneiden – und das, obwohl ihr Alltag so viel beschwerlicher ist als meiner.

Muttertag

Pünktlich zum Muttertag steht ein Artikel in der Zeitung. In ihm geht es um ein Buch, das von Frauen handelt, die bewusst und freiwillig keine Kinder bekommen; die Autorin ist selbst auch eine von ihnen. Sie, sagt, sie wolle Mütter keineswegs gegen Nicht-Mütter ausspielen, beide Lebenskonzepte sollten gleichberechtigt sein. Den Muttertag sehe sie aber kritisch: Er würde das Bild der Mutter als Frau verfestigen, die sich um alles kümmere, Liebe ausschütte und die Familie zusammenhalte. Die Frau aber, die hinter der Mutter steckt, werde ignoriert – und das sei oft eine Frau, die sich ohnmächtig fühle, die wütend sei und der Altersarmut drohe.

Hier malt eine Nicht-Mutter einseitig ein sehr negatives Bild vom Muttersein und behauptet dann auch noch, es träfe oft zu – eine steile These. Ich kann ihr OFT weder bestätigen noch widerlegen. Aber ich als glückliche Mutter treffe eher selten auf Mütter, die dermaßen unzufrieden sind. Und ich bin mir sehr sicher, dass Mütter noch seltener ihre Kinder für Ohnmacht, Wut und drohende Altersarmut verantwortlich machen. Es sind eher die Umstände, die ihnen das Leben schwer machen. (Außerdem lassen sich die Probleme von Müttern nicht dadurch lösen, dass diese von vornherein keine Kinder bekommen …)

Passenderweise kritisiert die Autorin dann auch noch das traditionelle Familienbild. Es halte sich hartnäckig, sagt sie – zu Unrecht: Schließlich werde rund jede dritte Ehe in Deutschland geschieden und die Zahl alleinlebender Menschen steige kontinuierlich an. Ich finde den Gedanken unlogisch: Es ist nicht deshalb automatisch etwas schlecht und überholt, nur weil wir es nicht mehr hinbekommen – im Gegenteil. Menschen sehnen sich nach Beziehungen und wünschen sich verbindliche Gemeinschaft. Aus diesem Grund hat wohl auch die Autorin einige gute Freundinnen. Das ist schön. Freundinnen sind auch für Mütter wichtig – allerdings keine, die Kinder vor allem als Einschränkung der Lebensqualität betrachten.

Schleifstein und Therapie

Meine Freundin sagt, sie sei für ihren Mann sowohl Schleifstein als auch Therapie. Tolle Formulierung, denke ich, auch für mich zutreffend. Wie sehr mein Mann mich auch schätzt, in mancher Hinsicht arbeitet er sich an mir ab – immer wieder und nicht immer mit zufriedenstellendem Ergebnis. Umgekehrt gilt es natürlich ebenso und vielleicht sogar für Beziehungen aller Art: zwischen Eltern und Kindern, Kollegen, Freunden, Geschwistern …

Wir fordern uns heraus und tun uns gut, gehen uns auf die Nerven und fühlen uns miteinander in bester Gesellschaft, sind uns manchmal sehr fremd und doch herrlich vertraut: Schleifstein und Therapie halt.

Eine Frage des Alters

„Mein Sohn sagte mir erst gestern, wenn ich den Bauch nicht einziehe, sehe ich aus wie im vierten Monat“, erzählt mir ein Bekannter. Unweigerlich wandert mein Blick zu seiner Mitte – und siehe da: Er hat Recht! Ich muss schmunzeln und gleichzeitig tut er mir leid. Es liegt schließlich NUR am Alter:

Der Sohn kann essen, was und wie viel er will – und bleibt gertenschlank und wächst in die Länge.
Der Vater ernährt sich deutlich gesünder und bewusster – und bleibt gleichlang und entwickelt einen Schwimmring.

Mit oder ohne Stiel?

Ein Geburtstag wie aus dem Bilderbuch: bestes Wetter, ein gemütlicher Garten, Bierbänke, ein abwechslungsreiches Buffet (zu dem ich nur eine einzige Sache beigetragen habe), gegrillte Köstlichkeiten. Gegen Ende der Feier kommt ein kühler Weißwein auf den Tisch – und ein Karton mit langstieligen Weingläsern. Es ist warm, aber sehr windig. Daher nehme ich mir (wie gewohnt pragmatisch) anstelle eines Weinkelches eins der Allzweckgläser; auf mich wirken diese deutlich standfester. Prompt ernte ich skeptische Blicke und von meiner Freundin einen Kommentar: Stillos sei es, einen Weißwein aus solch einem Glas zu trinken. Ich frage mich (und in die Runde), warum. Die Ansichten gehen auseinander; wir können uns nicht einigen. Ich entscheide mich für den Selbstversuch – und siehe da: Mir schmeckt der Weißwein in diesem Garten-Setting auch aus einem stiellosen Saftglas. Dass das auf andere vielleicht stillos wirkt, ist mir egal.

Das wars

Lange war es noch winterlich kühl und ich nur spärlich im Garten aktiv. Für unsere Buchsbaum-Zünsler dagegen waren die letzten Wochen offenbar frühlingshaft genug: Erfolgreich raspelten sie sich durch die zwei noch verbliebenen Buchsbäume an unserer Terrasse. Übrig bleibt ein trauriger Anblick; ich hole kurzentschlossen die Astschere. Eine halbe Stunde später liegen die halbzerfressenen Büsche vor dem Kellereingang. Nur ein paar Stümpfe markieren ihren ursprünglichen Standort – und zeigen meinem Mann, wo er (gelegentlich!) das Wurzelwerk ausbuddeln darf. Ich gewöhne mich schnell an die freie Sicht und habe kein Mitleid mit den nun heimatlosen Raupen. Sie müssen sich woanders eine Bleibe suchen oder werden verhungern … 

Gestresst – genervt – gelassen

In der Wochenmitte: Jemand wünscht mir einen schönen Nachmittag: Ich solle mich vom Stress des Vormittages erholen. Nach kurzer Überlegung antworte ich, dass mich der Arbeitsvormittag nicht stresst – weder der Zeitdruck oder meine eigene Unzulänglichkeit noch das manchmal knirschende Miteinander. All das ist für mich nicht so wichtig, dass es mich stressen würde. Solange mit meiner Familie alles in Ordnung ist (ohne dass alles super läuft), bleibe ich gelassen.

Zwei Tage später fahre ich genervt von allem Möglichen einkaufen. Vor dem Supermarkt treffe ich eine Freundin, die mich fragt, wie´s mir geht. Ich sage, dass mein Tag bisher suboptimal läuft – in etwas drastischeren Worten. Sie zögert ein bisschen und erzählt mir dann, zu welcher Familie das verunglückte Kleinkind gehört, von dem ich kürzlich in der Zeitung las. Sogleich werde ich kleinlaut und still und denke an meine eigenen Worte: Solange mit meiner Familie … 

Für und Wider

Es ist ungemütlich, zwischen den Stühlen zu sitzen: nicht zu wissen, wie man sich entscheiden oder wem man es lieber recht machen sollte.

Es ist auch unangenehm, zwischen die Fronten zu geraten: als unbeteiligter Dritter hineingezogen zu werden in den Streit von zwei anderen.

Einerseits: Auf den ersten Blick hört sich `zwischen den Stühlen´ besser an – die Konsequenzen bleiben eher harmlos; `zwischen den Fronten´ sind Kollateralschäden oft unvermeidlich.
Andererseits: Um das Machtgerangel anderer kann ich einfach einen Bogen machen; die inneren Kämpfe der Entscheidungsfindung lassen sich nicht ebenso leicht lösen.

Was mir in jedem Fall weiterhilft: Mut zur Lücke!