Normal riesig

Unser Familienauto ist groß, ein Bus mit acht Sitzen. Er ist weder komfortabel noch besonders spritzig, dafür praktisch und man hat einen guten Überblick. Das zweite Auto, das wir seit einigen Monaten haben, ist ein mittelgroßer Kombi: das Allerweltauto der 80er Jahre. Es ist bequem und standardmäßig ausgestattet. Allerdings sitzt man in ihm gefühlt nur wenige Zentimeter über der Straße. Letztens stand ich an der Ampel, umringt von riesigen SUVs – die Allerweltautos von Heute. Im Vergleich mit ihnen fühlte ich mich winzig, lahm und ein bisschen wie aus der Zeit gefallen.

Vom Input zum Output

„The kind of food our minds devour determines the kind of person we become.“
(Womit wir unseren Geist füttern, bestimmt, welche Person wir sein werden. )
John Stott

Was wir essen, formt unseren Körper: Zu viel Fett, Zucker und stark weiterverarbeitete Lebensmittel hinterlassen ihre Spuren in Gewicht und Teint. Nicht ganz so deutlich, aber ebenso nachdrücklich wirkt sich das, was wir sehen und hören, aus auf unser Denken, Fühlen und Reden: Bedrohliche Nachrichten machen uns ängstlich, unbarmherzige Videospiele machen uns aggressiv; Bilder von Menschen mit perfekt gestylten Körpern formen unser Selbstbild und das Schönheitsideal, dem wir uns unterordnen. Tückischerweise läuft das schleichend ab, zum großen Teil unbewusst – wir haben nur begrenzt in der Hand, was Informationen mit uns machen. Aber wir können entscheiden, womit wir uns füttern.

Erholsam

Ich habe Urlaub vom Job; sonst läuft alles wie immer. Langweilig ist mir nicht: Der ganz normale Alltag zu Hause – mit Zeit – ist wunderbar. Es sind nur drei Tage, aber diese fühlen sich sehr lang und erholsam an. Urlaub ohne Reisen oder Besuch, ohne Projekt oder Frühjahrsputz … rangiert auf der Erholungsskala ganz weit oben.

Irgendwo dazwischen

„Uns geht´s gut“, schreibe ich Freunden von uns, „wir sind nur müde.“ Es ginge ihnen genauso, schreiben sie zurück und dann: „Vielleicht werden wir alt?“ Ich weiß, sie haben recht. Wir haben den körperlichen Zenit überschritten; fürs Ausreißen von Bäumen reicht es nicht mehr jeden Tag. Aber Alt-Sein als Grund für eine temporäre Wintermüdigkeit? Es fällt mir schwer, das zu akzeptieren: Ich erlebe mich noch nicht als alt, allerdings auch schon lange nicht mehr als jung, sondern irgendwo dazwischen.

Mit einer gewissen morgendlichen Steifheit kann ich ebenso leben wie damit, dass ich nachts lieber schlafe als lese, Briefe schreibe oder feiern gehe. Die Erinnerung an meine frühere, nimmermüde Belastbarkeit verblasst immer mehr – als hätte ich mir meine Kräfte schon immer einteilen müssen. Natürlich verschiebt sich mein Alter immer mehr von jung zu alt, so dass ich irgendwann morgens aufwachen und plötzlich alt sein werde. Wie auch immer sich das dann anfühlen wird: Bis es soweit ist, erlebe ich mich weiter ganz vergnügt irgendwo dazwischen.

So lernen die alle nix

In einem Artikel über Bildung kommt eine Frau zu Wort, die am liebsten das Schulsystem in Deutschland reformieren möchte. Kinder bräuchten etwas anderes als dozierende Lehrer. Es müsse „mehr Abenteuer“ dabei sein, wenn ein Kind etwas lernen soll. Und dann erklärt sie, wie man Aufgaben spannender gestalten könnte …

Wieder ruft jemand nach einer Schulreform – ich lese davon nicht zum ersten Mal. Motiviert sind diese Reform-Forderer meistens durch die meiner Meinung nach ziemlich überhebliche Überzeugung: „Wenn es weitergeht wie bisher, lernen die alle nix.“ Als wären wir alle doof, die wir früher zur Schule gingen – ohne Abwechslung und mit viel Wiederholung. Als wäre den Kindern und Jugendlichen heute nur noch ein Lernen zuzumuten, das einen direkten Bezug zum eigenen Alltag hat. Als wäre es realistisch, dass alles, was man im Leben braucht, sich im Vorbeigehen und spielerisch lernen ließe.

Vielleicht bin ich zu unkritisch oder zu wenig „im Thema“, auf jeden Fall aber nicht nachhaltig geschädigt durch meine Schulzeit. Stattdessen denke ich dankbar an meine Lehrer, die sich geduldig und kompetent meiner Bildung gewidmet und mein (mir manchmal unbequemes) Mittun daran immer wieder eingefordert haben. 

Ambivalent: Wetter-App

Meine Erfahrungen mit der Wetter-App sind eindeutig uneindeutig wie das Wetter selbst: Es wird so oder so. Das ist in Ordnung; schließlich kann ich vor die Tür gehen und selbst schauen, wie das Wetter ist und wird. Andererseits habe ich klare Erwartungen hinsichtlich der Wetter-Prognose. Wenn die Voraussagen mit gefallen, wünsche ich mir, dass „die App recht hat“. Sind die Aussichten dagegen miserabel, hoffe ich darauf, dass „die App sich irrt“.

Was bleibt, wenn´s vorbei ist

Die Haustür geht auf und zu; mein Sohn kommt rein – und grinst. „Ich hab´ mir umsonst Stress gemacht“, sagt er, „es war einfacher als gedacht.“ Er hat die Theorieprüfung für den Führerschein bestanden; die Erleichterung ist sicht- und hörbar.

Das Lernen war lästig und mühselig. Stunde um Stunde bearbeitete er in der Fahrschul-App über 1.000 Fragen und eine Prüfungssimulation nach der anderen – nur für das eine Ziel: allein Auto fahren zu dürfen. Schon heute Nachmittag, endlich, geht´s zur ersten Fahrstunde. Und schon sind all die mühseligen Stunden in der Fahrschul-App vergessen. Ich hoffe, er erinnert sich noch lange an diese besondere Freude, die man spürt, wenn man sich über längere Zeit richtig angestrengt hat.

Nur eine Phase? Schade!

In unserer Ehe durchlaufen wir gerade eine Phase, die ich als die humorvolle bezeichnen würde: Mein Mann sagt während des Haareschneidens, er sehe aus wie mit der Saugglocke geholt …

Glücklicherweise bekomme ich meinen Lachkrampf nach kurzer Zeit wieder in den Griff und kann korrigieren. Am Ende sieht er aus wie immer nach dem Haareschneiden – Gott sei Dank! Trotzdem wäre es schade, wenn diese Momente irgendwann einer vergangenen Phase angehören würden.

Nicht nur für Kinder

Weil es draußen rutschig ist und mein Oberschenkel verspannt ist, rudere ich, anstatt laufen zu gehen. Es tut dem Rücken gut – und ist doch total langweilig! Also höre ich dabei etwas, meist eine Predigt: Sie inspiriert mich, und die Länge passt.

Heute wähle ich ausnahmsweise ein Kinder-Hörspiel aus der Reihe „Die drei vom Ast.“ Die drei sind Waldemar, ein Eichhörnchen, die Elster Cleopatra und ihre Freundin Eulalia Hedwig Sophie Gräfin von Eichenhain Uhland, eine weise alte Eule. In jeder Folge erklärt die Gräfin den beiden anderen die Welt – immer aus einer christlichen Perspektive. Die Geschichten sind kurz, die Lieder eingängig: kindgemäß, ohne kindisch zu sein, klar in der Botschaft.

Ich wähle „Die drei vom Ast und manch guter Rat“, weil ich diese Folge in bester Erinnerung habe. Die Kinder mögen dem Hörspiel-Alter entwachsen sein; ich stecke offenbar noch drin: Nach einer halben Stunde steige ich körperlich erschöpft, aber geistig erfrischt vom Ergometer. Die Geschichten und Lieder begleiten mich noch den restlichen Abend. 

Schnee-blind

Schon wieder Schnee zum Wochenanfang: Von wegen, es gibt keine Winter mehr! „Wer sein Rad liebt, der schiebt“, denke ich mir und steige immer wieder ab. Meine Brille ist voller Schneeflocken und beschlägt gleichzeitig, weil mir unter der Kapuze so warm ist. Auf jeden Fall sehe ich zunehmend weniger von der Straße – und kein einziges Räumfahrzeug.

Als meine Kollegin mich sieht, bricht sie in schallendes Gelächter aus und macht ein Foto: Puck, die Stubenfliege … Es ist mir egal: Ich bin wach und durchgewärmt und freue mich, dass ich zur Not auch zu Fuß (und halb blind) ins Büro finde.