Ich muss meine Vorräte auffüllen, nehme aber keine ganzen Gebinde mit. Weil ich Primzahlen mag, schnappe ich mir siebenmal Kaffeesahne und elfmal passierte Tomaten. Natürlich habe ich noch Reste zu Hause: Am Ende stehen schrecklich gut teilbare zehn beziehungsweise zwölf Packungen im Regal. Aber beim Einkauf bereiten mir die krummen Zahlen eine kindische Freude.
Männer
Es ist schwer geworden, ein Mann zu sein. Jedenfalls kommt es mir so vor, als hätten sich die Ansprüche an Männer sehr gewandelt in den letzten Jahrzehnten. Bei Herbert Grönemeyer kamen sie noch deutlich besser weg: „Männer nehm´ in den Arm, Männer geben Geborgenheit“, sang er lautstark, und niemand regte sich auf. Demgegenüber steht heute: „Männer halt“ – meist in eher abfälligem Ton.
Männer reden zu wenig oder zu viel, höre ich in meinem Bekanntenkreis, sie sind unsensibel, nicht kompromissfähig und machen einfach „ihr Ding“. Ohnehin verstehen sie fast nichts – und schon gar keine Frauen – und tun zu wenig dafür, dass das Miteinander funktioniert.
Dabei können Männer an sich gar nichts für all das, was ihnen vorgeworfen wird: Mit dem Sammelbegriff „alter weißer Mann“ im Nacken kann auch ein junges Exemplar jedweder Hautfarbe ziemlich viel falsch und kaum etwas richtig machen.
Mich ärgern diese Pauschalisierungen; ich würde so nie über meinen Mann und auch nicht über Männer im Allgemeinen reden. Schließlich bin ich als Frau ebenso wenig das perfekte Vorzeige-Modell. Weil ich das weiß, bemühe ich mich um ein weites Herz, das ich selbst so nötig habe und bei vielen Männern erlebe. Nicht nur insofern bekommen die meisten Herr-Schaften das mit dem Mann-Sein noch immer sehr gut hin: allen exorbitanten Erwartungen und oft unberechtigten Vorurteilen zum Trotz.
Unvergleichlich ausgiebig
Weil es momentan sehr heiß ist, wässere ich unseren Garten in den frühen Abendstunden. Manchmal beneide ich diejenigen unserer Nachbarn, die ihre Sprenger automatisch steuern können. Andererseits mag ich es, mich mit dem Schlauch in der Hand von vorn nach hinten durchzuarbeiten – mit oder ohne Muße. Gestern Abend war ich eher eilig und weniger gründlich.
Glücklicher- und für mich überraschenderweise regnete es zu später Stunde gleichermaßen heftig und lange. So ausgiebig wässert nur eine ordentliche Regenwolke, dachte ich. Jetzt habe ich mindestens drei Tage Ruhe.
Du bist´s!
„Eine Seite von mir kennen die dort alle gar nicht“, erzählt meine Tochter. Daran merke sie, wie wenig sie nach einem Jahr tatsächlich angekommen sei an ihrem Studienort. Mich beschäftigt das: Wem gegenüber können und wollen wir zeigen, wer wir wirklich sind?
Es ist immer auch eine Chance, irgendwo zum ersten Mal zu sein: Du fängst neu an, bist noch nicht bekannt für etwas, ein unbeschriebenes Blatt, das du frisch beschreiben kannst. In jeder neuen Gruppe malen wir ein Bild von uns, teilweise unbewusst. Die Leute im Fußballverein lernen die eine Seite kennen, die Mitschüler oder Kollegen eine andere. Bei Nachbarn sind wir bekannt als hilfsbereit und freundlich oder als diejenigen, die nie Zeit haben und ihre Ruhe brauchen.
Dabei wollen wir gern er- und gekannt sein, verstanden und gesehen werden – möglichst umfassend mit all dem, was uns ausmacht. Dafür müssen wir uns sicher fühlen in uns selbst: unsere Schwächen ebenso akzeptieren wie unsere Stärken. Beides gleichermaßen zu offenbaren, ist nur dann möglich, wenn wir vertrauen, dass Menschen uns auch dann noch mögen und schätzen.
Eine andere Welt
Jetzt im Sommer, wenn´s richtig heiß ist und jeder schwitzt, frage ich mich, wie es wohl früher war – vor täglichem Duschen, Deo und Parfüm. In einem historischen Roman, den ich gerade zum zweiten Mal gelesen habe, wird das am Rande thematisiert: die mangelnde Hygiene und die Krankheiten, die damit einhergingen. Die Autorin beschreibt fehlende Latrinen, Ratten überall und Menschen, die wegen der harten Arbeit Wasser vor allem trinken, sich aber nicht damit waschen. Ich wundere mich ob der Gepflogenheiten und Traditionen – und ein wenig rümpfe ich auch die Nase.
Die Vergangenheit ist eine Zeit, über die wir viel wissen. Wie es wirklich war damals, davon haben wir keine Ahnung: wie Menschen geprägt und begrenzt waren durch Umstände und Gepflogenheiten, was sie dachten und fühlten, was ihnen wichtig war. Wir wissen ja nicht einmal, wie es damals roch! Es war eine andere Zeit und eine andere Welt. Wir mögen besser riechen – klar, aber davon sollten wir nicht ableiten, wir heute wären denen von damals in jeder Hinsicht überlegen.
Red´ du nur!
„Das hört gleich auf“, hieß es früher, wenn´s bei Regen darum ging, ob die Kinder das Rad nehmen oder wir sie mit dem Auto fahren. Nicht selten erwies sich Papas Prognose jedoch als unzutreffend. Ebenso unbefriedigend war wohl die elterliche Standardantwort auf langen Autofahrten: „Wir sind gleich da.“ Mit diesen Erfahrungswerten im Kopf lassen sich unsere Sprösslinge heute nicht mehr so leicht einlullen. Entsprechend skeptisch reagieren die mit uns urlaubenden Kinder auf das von meinem Mann geäußerte „Höher geht´s nimmer“ während einer Wanderung. Nicht zu Unrecht, wie sich bald herausstellt: Nach einer schweißtreibenden Steigung käme es uns zwar zupass, hätten wir die Spitze schon erreicht. Tatsächlich geht es kurze Zeit später jedoch weiter bergan – ohne absehbares Ende. Des Vaters Glaubwürdigkeit sinkt mit jeder neuen Pauschalantwort. Der Nachwuchs ist lebensschlau: Wie schön!
Zwei Wege
Wir können links gehen oder geradeaus. Bei beiden Wegen wissen wir nicht, was uns erwartet, weshalb wir ein wenig aus dem Bauch heraus entscheiden. Die gewählte Strecke erweist sich als herausfordernd und abwechslungsreich; es geht buchstäblich über Stock und Stein und Wurzelzeugs. Kaum jemand kommt uns entgegen. „Two roads diverged in the wood, and I, I took the one less traveled by, and that has made all the difference“, zitiert mein Mann eine Gedichtzeile von Robert Frost. Es stimmt: Dieser Weg ist besonders schön: weil es hoch und runter geht und nur wenig Leute unterwegs sind. Vielleicht bedingt das eine das andere. Auf jeden Fall erweist sich der Weg „less traveled by“ in unserem Fall als eine wunderbare Entscheidung. Ob diese den ultimativen Unterschied macht? Wohl kaum, aber für heute war´s sehr gut – und das reicht.
Versiert?
„Das sind versierte Wanderer“, nuschelt die uns entgegenkommende ältere Dame ihrem Enkel ins Ohr, „das sieht man an der Kleidung.“ Offenbar meint sie uns. Mein Mann und ich schmunzeln vor uns hin: Was heißt schon „versiert“? Wir sind relativ fit und wandern gern, ja. Für uns haben sich im bergigen Gelände Wanderschuhe bewährt, dazu kurze Hosen und obenrum ein Zwiebel-Look aus Nicht-Baumwoll-Shirts. Damit sind wir den Jeans- und Turnschuh-Trägern, die uns hier ab und an begegnen, ein paar Wander-Erfahrungen voraus. Für „versiert“ fehlt uns mindestens das Goldene Wanderabzeichen oder auch nur der Ehrgeiz, dieses zu erwerben. Wie der erste Eindruck doch täuschen kann!
Ausstattungsfrage
Wir wollen in den Urlaub. Für das erste Abendbrot planen wir Nudeln mit Tomatensauce. „Hast du an den Reibekäse gedacht?“, frage ich meine Tochter. Was für eine Frage – lächelnd schaut sie mich an: Sie hat. Mein Mann mischt sich ein: „Hoffentlich gibt es für den Reibekäse dort eine Käsereibe!“ Recht hat er.
Passiv und aktiv
Ich kann ziemlich schnell und fast fehlerfrei Texte tippen, ohne auf die Tastatur zu schauen. Gleichzeitig weiß ich nur, wo welche Buchstaben liegen, wenn ich auf die Tastatur schaue.
Das Wissen um die richtige Nutzung der Tastatur kommt zwar vom Hirn her, ist aber rein passiv – das aktive Tun „liegt in meinen Fingern“.

