Vom Hörensagen

„Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen, aber nun hat mein Auge dich gesehen“, sagt Hiob über Gott (Hiob 42, 5), nachdem er den Tod seiner Kinder sowie geschäftlichen und gesundheitlichen Ruin durchlebt hatte. In der Zeit danach lernte er Gott anders kennen als vor all dem Elend – unmittelbar, aber nicht weniger geheimnisvoll: Er hatte einen Einblick bekommen von Gottes Macht und Herrlichkeit.

Wir haben uns daran gewöhnt, schlechte Nachrichten zu lesen oder zu hören: in der Zeitung, im Radio, im Internet. Sie schocken uns, wenn überhaupt, meist nur kurz – auch wenn es wirklich schlimme Dinge sind, die in der Welt passieren. Aber es handelt sich fast immer um Geschichten, die mit uns persönlich nichts zu tun haben und uns entsprechend wenig berühren – vom Hörensagen.

Schlechte Nachrichten entfalten eine andere Wirkung, wenn Menschen damit konfrontiert sind, die wir persönlich kennen. In den letzten Wochen war das der Fall: sozusagen Mord und Totschlag in unserem Dunstkreis. Wir blicken in die Abgründe einer gefallenen Welt – nicht aus sicherer (rationaler) Distanz, sondern aus der (emotionalen) ersten Reihe. Wir sind nicht die Hauptdarsteller, gehören aber zum Ensemble; `vom Hörensagen´ ist definitiv vorbei.

Sanftmütigkeit ist sein Gefährt

Eine Freundin von mir meinte kürzlich, Aggression sei eine gute Kraft als Reaktion auf negative Umstände. Ich schüttele den Kopf: Aggression und gut passen für mich nicht zusammen – selbst wenn sie `nur´ die Antwort auf Ungerechtigkeiten oder Angriffe ist. Weil ich es genau wissen will, schlage ich das Wort nach und entdecke den lateinischen Ursprung: aggressio, was so viel bedeutet wie auf jemanden losgehen, heranschreiten, sich nähern, überfallen und angreifen. Aggression ist eine feindselig angreifende Verhaltensweise eines Organismus. Es mag noch so aus uns herauskommen und sich gerechtfertigt anfühlen, aggressiv gegenüber jemandem zu sein, der uns Unrecht getan hat. Das macht es vielleicht naheliegend und verständlich, aber noch lange nicht gut oder richtig.

Jesus dagegen reagierte anders; handgreiflich wurde er meines Wissens nur ein Mal: als er die Händler aus dem Tempel warf und ihre Tische umschmiss. Auf Angriffe antwortete er besonnen – sogar kurz vor dem Gang zum Kreuz. Als einer der Knechte des Hohepriesters ihn ins Gesicht schlägt, redet Jesus mit ihm: „Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse ist; habe ich aber recht geredet, was schlägst du mich?“ Es stimmt, wenn es in einem alten Kirchenlied heißt: `Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt.´

Gemeinde

Was mich in der Gemeinde hält? Es ist nicht das Konstrukt Gemeinde mit seinen Ämtern und Hierarchien; es ist in erster Linie auch nicht die Zugehörigkeit zu einer Gruppe Menschen, die ich so schätze. Es geht mir um Jesus; seinetwegen habe ich Gemeinde immer priorisiert. Kein Verein, kein Hobby, keine noch so schöne regelmäßige Freizeit-Aktivität konnte jemals konkurrieren: In der Regel entschied und entscheide ich mich für Gemeinde – Gottesdienste, Kleingruppen, Gebetstreffen. Ihm, Jesus, will ich begegnen; er verbindet uns als Glaubensgeschwister, ist unsere Mitte und der eigentliche Grund, Gemeinschaft zu leben und Gemeinde zu bauen.

Das bleibt auch so, wenn Menschen die Gemeinde verlassen, die ich sehr schätze, oder andere hinzukommen, die mich herausfordern. Solange es um Jesus geht, ist Gemeinde Heimat und Familie für mich: mit mir sehr nahestehenden Menschen ebenso wie mit denen, die mir trotz unserer gemeinsamen Basis fremd sind. 

David und ich

„Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen“, heißt es in Psalm 18 (Vers 20). Der Satz stammt von dem jungen David, der Goliath mit seiner Schleuder mutig entgegentritt, weil er weiß, dass Gott für ihn kämpft. Ein anderer Satz von David lautet: „Ich bin matt geworden und ganz zerschlagen; ich schreie vor Unruhe meines Herzens.“ (Psalm 38, 9) Er passt eher zu einem traurigen, mutlosen und frustrierten David, der in seinem Leben sowohl zum Ehebrecher als auch zum Mörder wurde.

Auch bei mir gibt es diese Momente, in denen ich mich fühle, als wäre mir alles möglich; nichts kann mich stoppen, Gott und mich. Dann starte ich mit Schwung in meine Tage, egal ob die Sonne scheint oder es regnet, ob ich viel oder wenig zu tun habe. Ich kenne aber auch das Gefühl, dass ich nur funktioniere – oder nicht einmal mehr das. Wenn mich zum Beispiel ein Hexenschuss ausbremst und mir alles zu viel ist, was mir normalerweise so leicht von der Hand geht. Oder aber ich habe einfach keine Lust auf Routine-Arbeiten, die meinem Leben Sinn und Struktur geben. Selbst das, was mir Spaß macht, ist dann nicht attraktiv. Diese Tage sind sehr selten, aber manchmal kommen sie aus heiterem Himmel und lassen sich nicht so einfach überwinden.

Ich habe kein gutes Rezept gefunden, wie ich damit umgehe: Selbst zum Spazierengehen kann ich mich dann kaum aufraffen; meine Gebete klingen leer. Aber wenn ich angesichts eines Mäuerchens aus Schwere am liebsten rufen würde: „Scotty – wegbeamen!“, dann tröstet mich der Gedanke an David, der diese Phasen auch kannte und ehrlich benennt. Die Bibel nennt ihn einen Mann Gottes (1. Samuel 13, 14).

Großzügig

Kurz vor Silvester hat ein Freund von uns eine kleine ambulante OP vor sich, ohne Vollnarkose; ein ähnlicher Eingriff in der Vergangenheit lief nicht so toll. Entsprechend ist unser Freund schon Tage vorher sehr nervös – und bittet uns um Gebet. Am Tag X selbst läuft dann alles wunderbar anders als beim letzten Mal: Der Chirurg ist empathisch und kompetent; eine freundliche Assistenzärztin findet freundliche Worte, so dass die Zeit schnell vergeht; die örtliche Betäubung wirkt hervorragend.

Als wir hinterher miteinander telefonieren, hören wir förmlich, wie erleichtert unser Freund ist: „Es war so viel besser, als ich es mir hätte ausdenken können“, sagt er, „Gott hat sich nicht lumpen lassen.“ Sein Erlebnis freut und ermutigt mich. Für die Herausforderungen, die im Neuen Jahr auf mich zukommen, wünsche ich mir dasselbe: dass Gott sich nicht lumpen lässt, wenn ich mit meiner Nervosität und meinen Befürchtungen zu ihm komme.

Wahnsinn!

Weihnachtswahnsinn lese ich auf einem Werbeplakat an einer Bushaltestelle. Im Vorbeifahren sehe ich das Prozent-Zeichen, kann aber auf die Schnelle nicht lesen, welches Unternehmen hier Rabatte verspricht. Dennoch: `Weihnachtswahnsinn´ hallt es in mir nach. Wenn die wüssten, denke ich, wie genau sie ins Schwarze treffen mit ihrem Slogan. Weihnachten ist ein echter Wahnsinn. Gott schickt seinen Sohn als Baby in diese Welt, um die Menschen zu erretten – Wahnsinn. Dieses Baby wird in eine arme Familie hineingeboren, unter sehr zweifelhaften Umständen – Wahnsinn. Entsprechend holperig fängt es an: Weil wegen einer angeordneten Volkszählung das ganze Land auf den Füßen war, fand sich nur ein Stall für die Geburt des Gottessohnes – Wahnsinn. Für wahnsinnig stille und normale 30 Jahre hört man kaum etwas von dem heranwachsenden Jesus. Erst dann wird Jesus aktiv und sucht sich Leute, denen er Gottes Wahrheit und Gottes Plan für diese Welt anvertraut. Zwölf junge Fischer, nicht gut gebildet oder hoch angesehen und keineswegs einflussreich – Wahnsinn. Die meiste Zeit verbringt Gottes Sohn mit diesen zwölf Männern. Wenn ihm viele Menschen begeistert zuhören, lässt er sich nicht feiern, sondern zieht sich zurück – Wahnsinn. Und am Ende geht dieser Jesus ans Kreuz und stirbt für alle, Freunde und Feinde gleichermaßen – Wahnsinn. 

Weihnachten: ein beeindruckendes Ereignis – und es ist fast schon ein Wahnsinn, dass wir es 2.000 Jahre später noch immer feiern. Erschreckend ist nur, dass ein Großteil der Feiernden sich zwar über Rabatt-Aktionen freut, von Jesus selbst aber vollkommen unbeeindruckt bleibt.

Vom Segnen

`Gott segne dich!´ Wer anderen Gottes Segen zuspricht, weiß, dass das Entscheidende im Leben nicht aus uns selbst kommt: Gelingen und zuversichtliche Gedanken können wir ebenso wenig generieren wie Kraft für herausfordernde Zeiten, Freude und einen Blick für das Schöne, Dankbarkeit und Frieden im Herzen, Geduld mit und Liebe für unsere Nächsten usw. Mit all dem kann nur Gott uns beschenken – uns segnen eben. 

Mehr als nur satt

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“
5. Mose 8, 3

Wenn ich durstig bin, trinke ich etwas, habe ich Hunger, esse ich. Als Ergebnis bin ich satt: Ich spüre, wie ich gestärkt werde und neue Energie bekomme. Dabei weiß ich ungefähr, was ich brauche und mir gut tut. Aber ich spüre nicht, wie die einzelnen Inhaltsstoffe mich nähren – ich vertraue, dass sie es tun.

Mit der Bibel ist es ähnlich. Ich weiß, dass Gottes Wort mir gut tut und mich nährt. Deshalb lese ich fast täglich in ihr und kenne mich ganz gut aus. Manche Verse sind mir sehr präsente Wahrheiten oder Richtschnur für mein Leben: nicht zu lügen zum Beispiel oder dass Jesus die Randfiguren der Gesellschaft ebenso liebt wie die, die von allen bewundert werden. Andere Stellen lese ich, ohne dass ich merke, wie diese mich prägen – ich vertraue, dass sie es tun.

Zum Staunen

Für manche kommt die Milch aus dem Tetrapak und das Fleisch aus der Kühlabteilung im Supermarkt.

Andere lieben ihren Hund abgöttisch, springen aber beim Anblick einer Spinne auf den nächsten Stuhl.

Hier bin ich mit Menschen zusammen, die darüber staunen, welche Vielfalt `die Natur erschaffen´ hat: Tiere und Pflanzen, die wunderbar angepasst sind und sich tarnen können oder hoch spezialisiert sind.

Ich staune ebenso: Gott hat alles erschaffen, sich alles wunderbar ausgedacht, jedem Tier und jeder Pflanze einen Platz und eine Rolle/Aufgabe gegeben. Die Natur ist wunderbar, ja, aber Gott ist ihr Schöpfer.

Der Name Jesus

Ein Gottesdienst in einer australischen Kleinstadt in Queensland. Ich kenne niemanden, werde aber freundlich begrüßt. Bei den Liedern bin ich dankbar für die einfachen Melodien der mir unbekannten Lieder – bis ich plötzlich vertraute Klänge höre. Wir singen `Oh, wie schön dieser Name ist´ (What a beautiful name it is) und ich denke: Oh, wie schön in der Tat, dass der Name Jesus überall auf der Welt so kraftvoll ist und unterschiedlichsten Menschen dasselbe bedeutet!