Liegengeblieben – oder nicht?

Liegenbleiben: Irgendwie klingt das gemütlich – ist es aber nicht für den, dessen Auto streikt. Gut, wenn die Mutter dann nicht auf der Couch liegen bleibt, und ein Auto hat, das rollt.

Lichterkette: Geschenkt!

Auch bei uns hängt eine Lichterkette auf einem Busch im Vorgarten. Der Strom dafür kommt aus dem Keller und wird über eine Zeitschaltuhr geschaltet. Normalerweise ist das sehr praktisch: In den frühen Abendstunden und morgens, wenn es noch dunkel ist, leuchtet die Kette, tagsüber und nachts nicht. Doch dieses Jahr funktioniert irgendetwas in dem System nicht. Tagsüber leuchtet die Kette, abends nicht. Es könnte an der Zeitschaltuhr liegen. Mein Mann schaut nach und sagt, diese sei richtig eingestellt. Trotzdem macht die Lichterkette, was sie will. Die einzige Lösung ist also, die Zeitschaltuhr zu ersetzen und die Lichterkette händisch an- beziehungsweise auszuschalten. Natürlich vergisst man das ständig – und sie leuchtet entweder stundenlang oder überhaupt nicht. Schade, aber nicht zu ändern. Diesen Advent freue ich mich an den Lichterketten in den Vorgärten anderer Menschen. Nächstes Jahr wünsche ich mir eine Zeitschaltuhr.

Schöne Arbeit?

Ausnahmsweise muss ich mit dem Auto fahren. Die Nacht war kalt, alle Scheiben sind vereist. Ich beginne zu kratzen. Kurz darauf kommt unser Nachbar aus der Tür, etwa 15 Jahre jünger als ich. Sein Auto ist eins von diesen neueren, das sich selbst abtaut – wahrscheinlich aktivierbar, während man selbst noch warm in der Küche sitzt. „Schöne Arbeit?!“, wirft er mir über die Straße entgegen, lächelt und fährt los, ohne abzuwarten, was ich davon halte. Ich schaue ihm ungläubig hinterher und denke: „Ist das dein Ernst?“

Es ist in Ordnung und letztlich unsere Entscheidung, dass ich kratzen muss und er nicht. Trotzdem empfinde ich seine Bemerkung als unangemessen, vielleicht sogar ein bisschen arrogant, jedenfalls keineswegs amüsant. Wie immer in solchen Situationen, wenn jemand verbal aus meiner Perspektive ausbricht aus dem, was sich gehört – bin ich überfordert, ratlos und verstumme: Mir fehlen die Worte.

Freie Fahrt!

Ich liebe mein Fahrrad und benutze es gern und sehr regelmäßig. Nur ganz selten steige ich lieber ins Auto als aufs Rad: wenn es glatt ist oder Sturzbäche regnet. Momentan ist es nur immerzu bewölkt und mittelkalt, also höchstens ein bisschen ungemütlich. An solchen Tagen greifen einige Schönwetter-Radler eher zum Auto – entsprechend voll sind die Straßen. Für mich gilt: Freie Fahrt! Und dann denke ich: Mein Fahrrad und ich, wir sind ein gutes Team.

Friedemann, Friede-Mann, Friede! Mann!

Eine der Geheimwaffen in unserer Ehe heißt Friedemann. Er ist der Joker, wenn einer von uns sich – absichtlich oder unabsichtlich – missverständlich ausdrückt. Sage ich zum Beispiel, dass WIR noch den Gartenschlauch einrollen sollten, muss mein Mann nur „Friedemann?“ flüstern – schon werde ich konkret: „Ist die Spreng-Saison für dich erledigt? Ich möchte am Wochenende den Gartenschlauch einrollen“ wäre eine Alternative oder, noch besser: „Bitte rolle den Gartenschlauch ein und bringe ihn in den Keller; wir brauchen ihn dieses Jahr nicht mehr.“

Durch Friedemann kommunizieren wir ehrlicher, konkreter, oft humorvoller – und irgendwie friedlicher. Es ist faszinierend, dass das Ehepaar Schulz von Thun seinen Sohn ausgerechnet Friedemann genannt hat. Und sehr passend!

Wie schade!

Seit etwa 500 Jahren werden Nachrichten der Allgemeinheit versendet, anfangs natürlich mit Hilfe von Postkutschen oder ähnlichem. Das dauerte. Bis zu unseren heutigen Transportstandards war es ein weiter Weg: Meine Briefe in der ehemaligen DDR brauchten eine Woche. Als die Mauer fiel und Briefe plötzlich innerhalb eines Tages beim Adressaten ankamen, war ich sehr beeindruckt. Denn ich liebe Briefe – als Absender und als Empfänger.

Und jetzt setzen die Dänen vollkommen auf digitale Nachrichten. Bei unseren nördlichen Nachbarn gibt es ab sofort keine Briefzustellung mehr; auch die Briefkästen sollen demnächst abgebaut werden. Wer einen Brief versenden will, muss dies mit privaten Anbietern tun – oder selbst abliefern.

Der Mann in unserem Schreibwarenladen mit Post-Bereich findet das ebenso bedauerlich wie ich. „Der handgeschriebene Brief stirbt aus“, sagt er, „dabei freut sich jeder mehr darüber als über eine digitale Nachricht.“ Wir sind uns einig: Solange wir können, werden wir Briefe schreiben.

Gestört

In unserer Nachbarschaft wohnt eine Frau mit einem – mindestens – verhaltensauffälligen Hund. Bei jedem Spaziergang kämpft sie mit ihm, muss ihn ermahnen und die Leine nicht nur festhalten, sondern ständig auf der Hut sein und mit abrupten Ausbrüchen rechnen. Der Hund trägt immer einen Maulkorb und wirkt aggressiv und bedrohlich. Vor kurzem traf ich die beiden mal wieder. Wie immer hatte sie ihre Mühe, ihren Liebling zu bändigen: Mit „Halt, lass das, Sitz!“ versuchte sie vergeblich, ihn zu beruhigen – es gelang erst, als ich vorbei und in einiger Entfernung war.

Dieses Tier ist eine Waffe, finde ich, ohne sein Frauchen vollkommen unberechenbar: was für eine Verantwortung! Ich bin ohnehin kein Hundemensch und solch ein Wauwi bestätigt mich darin. Meine Lebenszeit ist mir zu schade, in ein Haustier zu investieren, das trotz jahrelanger Bemühungen partout nicht sozialkompatibel wird. 

Lob-Kritik-Ratio

In der Regel werde ich mehr gelobt als getadelt. Wenn jemand sagt, dass ich etwas gut gemacht habe, freue ich mich, sehr sogar.  Es kommt auch vor, dass ich kritisiert werde. Theoretisch ist das kein Problem; konstruktive Kritik ist super und lehrreich. Praktisch nagt sie an mir. Und ich merke, dass mich Kritik mehr runterzieht, als Lob mich aufrichtet: wie ein Sack voll Zweifel gegenüber einem klitzekleinen Bisschen Zufriedenheit und Stolz.

Ein Haifisch kann einen einzigen Blutstropfen riechen, und zwar in einem Olympia-Schwimmbecken. Er hat eine sehr gute Nase. Wir sind ebenso sensibel, wenn es um Kritik geht, und vertragen nicht viel.

„Vergeben sollt ihr siebenmal siebzigmal“, sagt Jesus – was so viel heißt wie „immer wieder“. Das passt auch für Lob. Und Kritik nur, wenn´s dem anderen hilft, sich zu verändern.

Weihnachtsmarkt: geschenkt!

Eine vierköpfige Familie (Vater, Mutter, zwei kleine Töchter) geht auf den Weihnachtsmarkt, pro Adventszeit zweimal, wie sie sagen. Diesmal lassen sie sich von einem Redakteur begleiten. Hier etwas essen, da etwas trinken, ein bisschen Karussellfahren für die Kleine, eine Runde Riesenrad für alle, am Ende einmal Schmalzgebäck – „muss sein“. Im anschließenden Bericht steht, sie hätten insgesamt etwas über 87 Euro ausgegeben. Das sei für viele Familien „durchaus erschwinglich“, heißt es.

Ich wundere mich und denke: Über 87 Euro? Euer „durchaus erschwinglich“ ist für mich „echt teuer“.