Unser Garten ist groß und pflegeleicht angelegt. Jedes Jahr im Frühling denken wir, dass wir „dieses Jahr“ nicht mehr so viel machen müssen wie früher, um den Ist-Zustand zu erhalten. Jedes Jahr im Frühsommer merke ich, dass das nicht stimmt. Der Garten überrascht mich immer wieder: hier und dort und da mit dem Wachstum neuer Pflänzlein, die sich schneller ausbreiten, als mir lieb sein kann. Jedes Jahr im Herbst bekomme ich langsam wieder die Kontrolle – vor allem weil die Wachstumsperiode endet. Jedes Jahr im Winter vergesse ich alle Überraschungen des Frühjahrs und fiebere dem Moment entgegen, wenn draußen wieder alles wächst und grünt.
Heute dauert das Unkrautjäten länger (wie immer), weil ich in einer Ecke des Gartens fündig werde, die ich vorab gedanklich „nur kurz durchgehen“ wollte. Ich beweise Mut zur Lücke (wie immer) und jäte so gründlich, wie ich muss, und nicht so gründlich wie möglich. Anders geht es nicht; zu sehr sind Pflanzen, die ich will, verwachsen mit denen, die ich nicht will. Sonst werde ich nicht fertig, denke ich, und plötzlich verstehe ich: Ein Garten ist kein Ort, an dem man jemals fertig oder mit irgendetwas fertig werden kann. Das Unkraut wird nicht restlos verschwinden; auch während ich es rausreiße, werde ich nicht damit fertig. Mein Garten wird ewig unvollendet bleiben – wie entlastend.



