Mein Deal mit der Post

Ich bringe eilig meine guten Gaben pünktlich auf den Weg – und übergebe die Adventspakete für meine Söhne vertrauensvoll an die Post. Das eine Päckchen reist mittlerweile schon seit fünf Tagen durch den Landkreis: Die zwischen meinem großen Sohn und mir liegenden 45 Kilometer hätte ich mittlerweile wahrscheinlich gut zu Fuß zurücklegen können. Das andere Päckchen ist erst seit fünf Tagen unterwegs und hat sicherlich noch einen langen Weg vor sich: Es muss bis nach Chingola in Sambia; die über 7.000 Kilometer sind für mich persönlich nicht einmal theoretisch zu bewältigen. Mental mache ich einen Deal mit der Post: Das Päckchen nach Braunschweig darf genauso lange brauchen wie das nach Chingola – sagen wir zwei Wochen. Dann bin ich dankbar für die blitzschnelle Lieferung nach Afrika und beschwere mich nicht über das Schneckentempo innerhalb Niedersachsens.

Jesus ist nicht totzukriegen!

Mein Einfluss auf das Weltgeschehen ist überschaubar – von meinem Tun hängt wenig ab. Das entspannt mich. Auf der anderen Seite fühle ich mich dadurch manchmal wie ein Rädchen im Getriebe, das letztlich unwichtig ist oder zumindest leicht ersetzbar.

Ob Jesus ähnlich empfand? Auch er hatte während seines Lebens keinen sichtbaren Einfluss auf den großen Weltverlauf. Im Gegenteil: Seine Freunde waren bisweilen begriffsstutzig, zweifelten und verzweifelten an ihm. Außerdem hatte er mächtige Feinde, die ihn jahrelang provozierten und schließlich vor Gericht brachten. Aber offenbar machte ihm beides wenig aus. Bis zuletzt blieb er seinen Jüngern tief verbunden und fand es unnötig, sich gegen die Angriffe seiner Ankläger zu verteidigen. Schließlich starb er von allen verlassen.

Aber damit ist weder die Geschichte noch das Leben von Jesus vorbei. „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden“, erfahren die Frauen, die sein Grab aufsuchen (Lukas 24, 5+6). Seither ist sein Einfluss unübersehbar: Menschen glauben an ihn und bekennen sich zu ihm – auch angesichts großer Gefahren. Vor zweitausend Jahren überlebte Jesus die Ignoranz der Juden, den Zorn der Pharisäer und die Willkür der Römer. Später unternahmen Menschen schreckliche Kreuzzüge in seinem Namen – aber nicht in seinem Sinne – und konnten diesen doch nicht ruinieren. Heute werden Christen in vielen Ländern brutal verfolgt, in anderen gelten sie als altmodisch und weltfremd. Besonders aufgeklärte und moderne Menschen meinen, christliche Werte bräuchte niemand mehr. Was soll ich sagen? Selbst diese Angriffe laufen ins Leere: Jesus ist nicht totzukriegen – ebensowenig wie diejenigen, die an ihn glauben und ihm vertrauen!

Schöne Worte!

Ich bin schlapp; so etwas lässt sich manchmal nicht schönreden. Oder doch? Aus dem Mund meines Sohnes klingt meine Schwäche fast wie ein Kompliment: „Mama, du bist auf dem Energielevel eines Wildunfalls.“

Individuell?

Tanzen ist sehr individuell – wenn man nicht als Paar und nach festgelegter Choreographie tanzt. Ich mag es, wenn jeder tanzt, wie er will; normalerweise ist jeder einzigartig und gleichzeitig Teil des Ganzen. Schwierig wird es, wenn sich ALLE anderen einheitlich bewegen: Beim Abi-Ball meines Sohnes kannten die meisten Tänzer alle Lieder auswendig und dazu die `richtigen´ Tanzschritte. Ich fühlte mich wie der einzige Abweichler, der buchstäblich aus der Reihe tanzte. Mein individueller Stil wirkte dabei weniger wie ein einzigartiger Teil des Ganzen: Stattdessen fühlte ich mich wie ein Fremdkörper.

Ausgetrickst

Es wird höchste Zeit, ein Adventspaket an meinen studierenden Sohn zu schicken. Zwar bin ich krank, schaffe es aber, die vorher besorgten Kleinigkeiten einzupacken. Als ich fertig bin, fällt mir ein, dass ich ihm gern unsere selbst gebackenen Lieblingskekse mitgeschickt hätte – die Zutaten hatte ich mir extra schon besorgt. Allerdings: Die Vorstellung mich jetzt mit Schokolade, Zucker, Zimt etc. zu befassen, verursacht mir fast körperliches Unbehagen. Ich habe überhaupt keine Lust zum Backen, gehe aber trotzdem in die Küche und hole alles aus dem Schrank, was ich brauche. `Doppelte Menge, wie immer´, denke ich. Gegen meine Lust fange ich einfach an; ich entscheide nicht, ich mache. Irgendwann bin ich mittendrin und fange an, mich zu freuen: Neben all den Dingen, die mein Sohn sich selbst kaufen könnte, werden in dem Paket auch die Kekse sein, die es bei uns in der Adventszeit IMMER gibt.

Ich habe mich selbst ausgetrickst; es war gar nicht so schwer.

Pause von der Routine

Routine ist hilfreich und schafft Erfahrung: Was ich täglich tue, fällt mir leicht, obwohl das Pensum von außen betrachtet viel und anstrengend wirkt. Routine kann aber auch langweilig werden und ermüden. Zu viel Routine erstickt Neugier – und vor allem die Freude. Es stimmt, dass zu viel Pflicht ein Freudenkiller ist. Ich merke das vor allem dann, wenn sich mein Alltag gnadenlos zwischen mich und meine Spontaneität drängelt. Hamsterrad nennt man das wohl: Es bewegt sich, weil ich es antreibe. Oder treibt es mich an, weil es sich bewegt? Ich nehme an, die Wahrheit liegt – irgendwo dazwischen. Manchmal brauche ich Mut, die Routine zu verlassen und zu gucken, was passiert. Wenn ich es in der Vergangenheit getan habe, war das Ergebnis IMMER positiv.

Viel Mensch, wenig Automat

Automaten zeichnen sich dadurch aus, dass sie zuverlässig gleichbleibende Resultate liefern, wenn man sie mit den richtigen Zutaten versorgt: Zahlenmenge rein – Ergebnis raus; Geld rein – Schokoriegel raus oder so ähnlich. Diese Klarheit ist bestechend vorhersehbar und sehr beruhigend. 

Ein Mensch, der entscheiden muss, wägt automatisch ab, und zwar nicht nur sachliche Argumente: Niemand ist frei von gänzlich irrationalen Beweggründen, wenn auch oft unbewusst. Meist treibt uns eine Mischung aus Verstand und Gefühl – die Kombinationsmöglichkeiten sind Legion.

Ich zum Beispiel folge häufiger wider alle Vernunft meinem Gefühl oder (ab und zu) umgekehrt. Andere kämen in derselben Situation zu einer völlig anderen Einschätzung der Lage: Viele Wege führen bekanntlich nach Rom. Entscheidungsfindung hängt nicht nur ab von den bloßen Fakten, sondern in hohem Maße von der Persönlichkeit. Das ist spannend, schwer vorhersehbar, manchmal anstrengend – und wunderbar anders als bei Automaten!

Fassungslos

Seit 30 Jahren gibt es die DDR nicht mehr; seither geht es immer mal wieder darum, das gute Erbe des `Ostens´ zu erhalten: der grüne Pfeil, bezahlbare Wohnungen mit stabilen Mieten, günstige Grundnahrungsmittel und natürlich Kinderbetreuung für alle. Vor allem zu dem letzten Aspekt steht um den 3. Oktober herum immer etwas in unserer Zeitung. Meist ist es ein Loblied auf die in der DDR konsequent umgesetzte frühkindliche Betreuung außerhalb der Familie. Nur durch sie seien die Frauen im Osten stolz und gleichberechtigt gewesen, heißt es da – im Gegensatz zu den (bedauernswerten) Hausfrauen und Müttern im Westen.

Seit nunmehr 30 Jahren sind Politiker überall in Deutschland bestrebt, das Kita- und Krippenplatzangebot auszubauen. Ich habe im Grunde nichts dagegen: Wer arbeiten gehen möchte oder muss, sollte die Möglichkeit dazu haben. Vor allem Teilzeitmodelle finde ich großartig. Ich bewundere sowohl Arbeitgeber, die junge Frauen oder Mütter beschäftigen – und ziehe meinen Hut vor jeder Frau, die sowohl Muttersein als auch Job gut und gern macht. Allerdings las ich vor einigen Tagen in der Zeitung einen Satz, der mich innehalten ließ: „Die Kita ist für viele Kinder unter der Woche ihr Leben. 60 Prozent der unter Dreijährigen, die in Ostdeutschland in die Kita gehen, bleiben da 45 bis 50 Stunden die Woche“, sagt eine Erziehungswissenschaftlerin. Und eine Kita-Leiterin ergänzt: „Gerade für Krippenkinder ist so ein Acht- bis Zehnstundentag sehr anstrengend.“ Ach nee, denke ich: Gewerkschaftler protestieren oder streiken für deutlich geringere Wochenarbeitszeiten.

Wenn das die ostdeutschen Errungenschaften sind, die unbedingt in der BRD weiterbestehen sollen, kann ich nur fassungslos den Kopf schütteln.

Der Frosch war krank!

„Drei Wochen war der Frosch so krank! Jetzt raucht er wieder, Gott sei Dank!“, schrieb Wilhelm Busch. Nur meine fehlgeleitete Erinnerung ist es wohl, die meinem Vater „Jetzt quakt er wieder …“ in den Mund legt. Dabei waren mein Vater und meine Mutter früher höchst selten krank, fast nie. Mit einer robusten Gesundheit (und einem gewissen Durchhaltevermögen) sind freundlicherweise auch meine Geschwister und ich ausgestattet. Aber darum geht es bei Busch gar nicht: Entscheidend – und wahr – ist, dass wir sehr dankbar sein können für unsere gesunden Phasen.

`So krank´ definiert sicher jeder anders, für mich zählen normale Erkältungen nicht dazu. Von daher bin ich selten `so krank´, und schon gar nicht drei Wochen. Mir reichen aber auch drei Tage, an denen ich mich wirklich malade fühle. Sofort weiß ich wieder, wie schön es ist, gesund zu sein. Denn – und auch das ist wahr: Die beste Krankheit taugt nichts!

Altersmilde

Ich bin noch immer pünktlich, aber nicht um den Preis menschlicher Beziehungen. Bei uns ist es immer noch sauber, aber nicht auf Kosten eines manchmal chaotischen und lebendigen Miteinanders. Ich möchte noch immer sehr gute Arbeit abliefern, aber ich wäge meine investierte Zeit ab gegen den vielleicht nach außen hin nicht mehr sicht- oder gar messbaren Nutzen.

Ich fühle mich noch jung und bin doch schon altersmilde.