Medienkompetenz

Es heißt oft, dass man Medienkompetenz von Kindern dadurch fördern kann, wenn man sie möglichst früh an Medien (und hier sind nicht Bücher gemeint!) heranführt. Gemeinhin wird das als Begründung dafür herangezogen, dass man Fünfjährige mit einer Wii-Station spielen lässt, mit dem Eintritt in die Grundschule einen Nintendo für das Kind kauft, Siebenjährigen eine Playstation zur Verfügung stellt und Neunjährigen ein Smartphone in die Hand drückt, weil sie bald in die weiterführende Schule wechseln. Das Kind selbst steht dabei weniger im Vordergrund der Überlegungen, sondern vorrangig das Alter entscheidet über Haben oder Nicht-Haben.

Unsere Kinder hatten von all dem nichts; der Älteste durfte sich mit gut 15 sein erstes eigenes Smartphone (selber) kaufen und hatte mich nach zwei Tagen mit dem mobilen Handgerät locker rechts überholt, was die Medienkompetenz angeht. Ob unsere Zurückhaltung sich auch dahingehend auswirkt, dass er vernünftiger damit umgeht, als er es bei einem früheren Einstieg in die Handy-Welt getan hätte, bleibt sicher abzuwarten. ABER: Geschadet hat ihm der Verzicht nicht. Medienkompetenz ist ihm offenbar nicht verloren gegangen. (Und ja, seine Beziehungen sind nicht den Bach runtergegangen – weder die zu uns noch die zu seinen Freunden.)

Ich wünschte mir, dass in der Hinsicht ebenso viel Wunsch nach individueller Entscheidung eine Rolle spielen würde wie in vielen anderen Bereichen auch: Wie ernähre ich MEIN Kind, was darf MEIN Kind, wie sieht die Schule/beachten die Lehrer MEIN Kind. Erziehung ist absolut Privatsache; für Mediennutzung gibt es einen gesellschaftlichen Standard, dem man sich nur schwer entziehen kann, ohne als total altmodisch zu gelten beziehungsweise wie ein Spaßverderber.