In einem Supermarkt tragen die Mitarbeiter Namensschilder, auf denen neuerdings nur ein Vorname zu lesen ist. Ich frage den Mann an der Kasse, ob das eine neue Unternehmenskultur sei. „Nein, das wurde so entschieden, weil es Stalking-Fälle durch Kunden gab“, erklärt er mir, „ganz übel.“ Sie als Mitarbeiter hätten für Meier, Müller, Schulze plädiert, aber das habe die Geschäftsleitung nicht gewollt. Also seien es Vornamen geworden, sagt er.
Ich finde das komisch. Die Kunden bleiben anonym – und können die Verkäufer mit Vornamen anreden. Für mich passt das nicht zu ihrer Beziehung: Was interessiert die Kunden mein Vorname? Wäre ich dort angestellt, würde ich mir einen fürs Namensschild ausdenken – Kategorie Meier, Müller, Schulze. Je nach Generation kämen also Andreas, Max oder Kevin in Frage beziehungsweise Susanne, Marie oder Chantal. Der Mann, mit dem ich rede, heißt – laut Schild zumindest – Sebastian. Ob´s stimmt? Keine Ahnung. Es ist mir letztlich auch egal. Aber mein Vertrauen in Namensschilder ist angeknackst.

