Wind

Vor einigen Tagen war es sehr windig. Es wehte stark und unablässig, meist aus Osten. Die Sonne schien ebenso unablässig, ihre Kraft wurde aber durch den Wind abgemildert. Es war nicht wirklich kalt, aber es fühlte sich kalt an. Jackenwetter – zumindest für Menschen wie ich, die schnell frieren. Abgesehen davon ist mir der Wind auf den Keks gegangen. Die Wehgeräusche im Haus, sobald ein Fenster geöffnet war, die aufschlagende Terrassentür – nervig. Das Radeln im Wind – mit ihm und gegen ihn – gleichermaßen anstrengend. Nicht schön. Und ich erinnerte mich an eine Formulierung aus „Mittagsstunde“ von Dörte Hansen:

„Man machte es am besten wie das dünne Pferd, man duckte sich und blieb ganz still, den Rücken in den Wind, den Kopf gesenkt, norddeutsche Schonhaltung. Dem großen Mahlwerk möglichst wenig Angriffsfläche bieten, man gewöhnte sich das an, wenn man hier aufgewachsen war.

Man hatte hier als Mensch nicht viel zu melden. Man konnte gern rechts ranfahren, aussteigen, gegen den Wind anbrüllen und Flüche in den Regen schreien, es brachte nichts. Es ging hier gar nicht um das bisschen Mensch. Das hier war Altmoränenland, es hatte ewig unter Gletschereis gelegen, es war geschliffen und verschrammt, das bisschen Wind und Regen machte ihm nichts aus.“

Weil ich aber nicht in Nordfriesland lebe, sondern am Rand der Lüneburger Heide, bin ich noch genervt vom Wind (auch ohne Regen). Anstatt ihn hinzunehmen wie eine Naturgewalt, gegen die man ohnehin nichts ausrichten kann. Und die – anders als in Nordfriesland – nur ab und zu und nicht immerzu nervenaufreibend über die niedersächsische Tiefebene pfeift. Ich weiß, Wetter geht noch schöner – undankbares Menschlein…

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