Nicht so einfach

„Nun aber legt alles ab von euch: Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte aus eurem Munde; belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.“
Kolosser 3, 8-10

Als wenn das so einfach wäre: die schlechten Gewohnheiten „ablegen“. Als wäre der alte Mensch ein Kleidungsstück, das man beliebig ausziehen und wechseln kann. Mir zumindest fällt es schwer, alte Muster nicht mehr zu bedienen:

Zorn und Grimm? Es geht noch immer furchtbar schnell, dass ich mich ärgere und zornig werde – und nicht so schnell vergessen kann.
Bosheit? Ich würde gern sagen, dass ich nicht boshaft bin; aber einigen mächtigen, aber mir höchst unsympathischen Zeitgenossen gönne ich ihr Scheitern allemal.
Lästerung und schandbare Worte? Darin bin ich deutlich freundlicher geworden in den vergangenen Jahren, was aber vielleicht nur an einer bereits einsetzenden Altersmilde liegt. Und in meinem Herzen erhebe ich mich noch immer über Leute, die ich als schwierig empfinde.
Lüge? Ich lüge nicht, das kann ich sagen; aber ich sage auch nicht immer die Wahrheit.

Aber dann geht der Text noch weiter:
„So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertragt einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!
Kolosser 3, 12+13

Allgemein und in einer konkreten Situation kann ich mich entscheiden – für oder gegen ein bestimmtes Verhalten. Das funktioniert nur, wenn ich weiß, dass ich geliebt bin von Gott. Dann werde ich anders leben wollen und entscheide mich:
für das Erbarmen – und gegen den Zorn,
für die Freundlichkeit – und gegen die Bosheit,
für Demut, Sanftmut und Geduld – und gegen schandbare Worte,
für die Wahrheit – und gegen die Lüge.

Das ist immer noch nicht so einfach; ich werde es manchmal besser, manchmal schlechter hinbekommen. Aber mit fortwährendem (An-)Probieren werden mir die neuen (Verhaltens-)Kleider besser passen als die alten – und besser stehen.

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