Trecker-Demo

Letztens fuhren lauter Trecker durch unsere Stadt – auf dem Weg zu einer Demo nach Hannover. Ich blieb mit meinem Rad an einer Ecke stehen und schaute ihnen zu. „Sorry, ich wäre jetzt auch lieber zu Hause“, las ich am Heck eines Treckers und musste lächeln: Die hinter der Kolonne schleichenden Autofahrer sahen nur teilweise verständnisvoll aus.

Ihre Arbeit ist für die meisten der Bauern eher ein Lebenskonzept als ein Job. Als Lohn bekommen sie – auf die Stunden gerechnet – nicht besonders viel Geld, dafür aber umso mehr Menge Kritik von allen Seiten. Landwirte demonstrieren nicht für geregelte Arbeitszeiten oder mehr Urlaub, Weihnachtsgeld oder sonstige Dinge, die andere Berufsgruppen gern verändert hätten. Sie wünschen sich angemessenere Preise für die Produkte, die sie produzieren, und eine Gesellschaft, die ihnen nicht nur Verachtung entgegenbringt, sondern Wertschätzung. Denn: Bauern pflegen unsere Kulturlandschaft und produzieren Dinge, die wir wirklich zum Leben brauchen. Aber das artikulieren wir nicht. Stattdessen schimpfen wir, sie würden die Natur verschandeln und das Grundwasser verpesten – und zeigen durch unser Einkaufsverhalten, dass wir nicht viel für sie übrig haben.

Auch ich kaufe nicht nicht nur regionale Produkte, schon gar nicht ausschließlich „Bio“. Aber ehrlich gesagt: Ich würde gern die hiesigen Landwirte unterstützen – wenn ich nur wüsste, wie das abgesehen von Einkäufen in Hofläden noch aussehen könnte. An der Straße stehen und winken, wenn hunderte Trecker zur Demo nach Hannover fahren, reicht nicht.

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