Reflexe

Vor fünf Tagen bin ich die Treppe hinunter gestürzt – naja, eher geholpert. Weil ich mich an beiden Wäschekörben festklammerte, die ich in den Händen hielt, konnte ich den Abgang nicht bremsen, sondern nahm jede Treppenstufe mit der Ferse zuerst. Entsprechend habe ich jetzt einen Bluterguss unter der Ferse und kann nicht gut auftreten; der Wäsche ist nichts passiert. Hätte ich nicht reflexartig entschieden, sondern klug, wären meine Hände von den Körben weg hin zum Geländer gewandert. Aber Reflexe sind stark und schneller vorbei, als eine wohl überlegte Entscheidung zustande kommt: Sie sollen in Gefahr für eine rasche gute Lösung sorgen – Ziel ist der Schutz des Lebewesens.

Entweder meine Reflexe funktionieren nicht mehr so gut oder „finden“ nach 20 Jahren Hausfrauendasein die Aufgabe schützenswerter als das Lebewesen, das die Aufgabe erledigt. Im Resultat ist die Wäsche unverändert zu waschen, nur ich bin nur noch eingeschränkt beweglich. Glücklicherweise sind für die Bewältigung des Alltags jetzt keine (eventuell schlecht ausgeprägten) Reflexe nötig, sondern meine Gaben der Improvisation und des in Jahrzehnten antrainierten „geht irgendwie trotzdem“.

Nur die Dinge, die Spaß machen, funktionieren momentan wirklich nicht – laufen oder spazieren gehen. Für Spaß sind Reflexe wahrscheinlich nicht zuständig. Mist.

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