Gott und die Zeit (2)

„Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.“
Prediger 3, 11

Jeder Moment für sich ist lang oder kurz, intensiv oder unwichtig; die Summe meiner Momente ist begrenzt durch Anfang und Ende. Die Zeit meines Lebens rinnt mir davon oder an mir vorbei – wie auch immer, aber weg ist sie ist nicht: Selbst die Vergangenheit ist in gewisser Weise noch heute präsent. Meine 50 Lebensjahre bis heute sind zwar vorüber, in der Rückschau bleiben es aber doch 50 Jahre – und außerdem „sieht“ man sie an mir: Wirklich vergänglich ist nicht die Zeit, sondern Dinge, Umstände und Personen.

Gott dagegen wirkt unbegrenzt, er selbst ist Anfang und Ende: Er scheint über der Zeit zu stehen und ist in jedem Moment gleich präsent – sei dieser nun vergangen oder (aus unserer Sicht) noch gar nicht geschehen. Etwas davon hat er in unser Herz gelegt: Zumindest ab und zu sehne ich mich nach der Ewigkeit, in der kein „leider verpasst“ oder „muss ich unbedingt noch“ existiert. Ich freue mich darauf, dass persönliche Befindlichkeiten und Sympathien keine Rolle mehr spielen werden – perfekter äußerer und innerer Friede, anstrengungsfrei. Besonders attraktiv, aber kaum vorzustellen: In der Ewigkeit ist jede Gemeinschaft unmittelbar – mit Jesus und mit den Glaubensgeschwistern, deren Lebenszeit mit meiner nicht oder nur teilweise übereinstimmt. In der Ewigkeit sind auch wir nicht mehr von der Zeit begrenzt.

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