Blamieren – wie geht das?

„Herr, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. … Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, Herr, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen.“
Psalm 139, 1+2, 4-6,

Letztens in einem Theaterstück die Frage: „Wie geht denn blamieren?“ Ja, wie geht das? Ein kleines Kind blamiert sich nicht – zumindest merkt es nichts davon. Blamieren ist ein Erwachsenengeschäft, das in jeder Kultur anders aussieht und sich im Laufe der Zeit verändert. Nehme ich an. Während es vor 30 Jahren noch blamabel war, durch eine Prüfung zu fallen oder verdreckte Klamotten zu tragen, sind es heute andere Dinge, die einer Blamage gleichkommen. Nackt durch die Innenstadt zu laufen zum Beispiel, fällt wohl darunter – oder ist das schon wieder mutig?

Für das gesellschaftliche Blamieren haben sich die Grenzen verschoben in den vergangenen Jahrhunderten und Jahrzehnten, das ist wohl normal. „Das macht man nicht“, sah früher anders aus als heute. Aber obwohl wir geprägt werden von der sich wandelnden Gesellschaft, in der wir leben: Im Persönlichen bleibt es eine Blamage, wenn jemand das in mir erkennt, was ich verbergen möchte. In demselben Theaterstück sagt die Person etwas später: „Ich will durchschaut werden. Wer dann trotzdem bei mir bleibt, mag mich wirklich.“ Genau. Obwohl Gott ALLES von mir kennt, bleibt er bei mir. (Kleine) Kinder begreifen das besser als Erwachsene.

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