Berufung

Ich wollte nie Lehrerin werden. Ich wollte auch nie als Lehrerin arbeiten – und will es noch immer nicht. Trotzdem habe ich jahrelang gelehrt – hauptsächlich durch mein Vorbild, manchmal wortgewaltig:
„Du musst mit dem Fahrrad auf der rechten Seite fahren.
Wenn man einen Fehler gemacht hat, entschuldigt man sich – auch wenn es schwerfällt.
Zu einem Gespräch gehört, dass man nicht unterbricht und zuhören kann.“
Und so weiter und so fort.

Alles habe ich begleitet mit Lob und Ermutigung:
„Ja, so ist es gut.
Ich fand das wirklich mutig von dir.
Du kannst toll verlieren, das bewundere ich.“
Und so weiter und so fort.

Manches habe ich korrigiert:
„Den Topf musst du noch einmal abspülen.
Lästern macht vielleicht Spaß, aber nicht lästern ist besser.
Ohne Übung geht es nicht.“
Und so weiter und so fort.

Ob ich die Kinder damit halbwegs auf ihr Leben vorbereitet habe – wir werden es sehen. Eine Grundausstattung haben sie, irgendwann lasse ich sie ziehen. Ich übernehme keine andere Klasse. Höchstens die Enkelkinder ein ganz bisschen, falls es welche geben sollte. Dazwischen mach´ ich Ferien.

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