Abschied und Neuanfang

Meine Freundin geht in Rente; 18 Jahre war sie in einer Organisation tätig, die sie selbst mit aufgebaut hat. Das Miteinander dort war sehr besonders: verbindlich, ehrlich und nah. Ihr Ausstieg verläuft in einem Prozess – innerhalb dieses Jahres nimmt ihre Arbeits- und Präsenz-Zeit dort immer mehr ab: Andere übernehmen zunehmend ihre Aufgaben; sie entscheidet nicht mehr mit und wird immer weniger ins Tagesgeschäft einbezogen. Manches läuft schon jetzt und vor allem in Zukunft anders als bisher. Das ist normal und genau richtig so. Meine Freundin muss lernen, sich auf das Neue einzulassen, was nach dem endgültigen `Vorbei´ für sie kommt: Aufgaben und Freiheiten, die sie jetzt noch nicht kennt, und eine veränderte Beziehung zu ihren alten Kollegen – die nicht schlechter sein muss als vorher, nur anders.

Mir geht es mit meiner eigenen Familie ähnlich: Schon eine Weile sind unsere Kinder sehr selbstständig unterwegs. Der Älteste ist bereits ausgezogen; der Zweite startet seine eigenen Lebenspläne ab Sommer mit einem Auslandsjahr. Aber das ist nicht alles: Auch die noch zu Hause lebenden Kindern verabschieden sich (innerlich) jedes Jahr ein bisschen mehr. Sie übernehmen ihr Leben zunehmend selbst und haben sehr eigene Interessen und Ideen. Viele alltäglichen Dinge entscheiden sie autark – einbezogen werde ich nur sehr begrenzt. Mein Rat ist nur selten gefragt; meine Mitsprache noch seltener: Manchmal scheinen sie besonderen Wert darauf zu legen, Dinge anders zu machen als ich. Ich muss lernen, mich auf das Neue einzulassen, was nach dem Auszug der Kinder auf mich wartet: Aufgaben und Freiheiten, die ich jetzt noch nicht kenne, und eine veränderte Beziehung zu meinen Kindern.

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