Vom Fliegen

Unser Haus, das Nest unserer Kinder, ist noch nicht leer, aber auch nicht mehr voll. So schnell hintereinander sie geboren wurde, so zügig nacheinander verlassen sie jetzt unser gemeinsames Zuhause. Das Flüggewerden verläuft in Stufen: Zwei `Kinder´ sind bereits ausgezogen; zwei der drei anderen sind sozusagen kurz vor dem Sprung. Insgesamt empfinde ich diese Jahre als eine herausfordernde, weil sehr bewegte Übergangsphase: Das Nest hat seine besten Zeiten hinter sich – und lässt jetzt buchstäblich Federn.

Bei uns herrscht ein Kommen und Gehen wie im Basiscamp am Fuße eines hohen Berges. Die Kinder kümmern sich um ihren Kram, stärken sich und brauchen Gespräch – oder ihre Ruhe. Währenddessen machen sie Flugübungen und ziehen immer größere Runden. Mein Mann kümmert sich hauptsächlich um die Finanzierung; ich sorge für Logistik, Organisation und Atmosphäre. Obwohl ich damit schon seit über 20 Jahren beschäftigt bin, ist irgendwie doch alles anders: Auch ich übe. Ich muss flexibler sein als je zuvor – mal ganz präsent sein und mal schön im Hintergrund bleiben. Manche Tage reicht meine (Flug-)Erfahrung aus; an anderen enden all meine Bemühungen sozusagen in einer totalen Bruchlandung. Dann brauche ich ein paar Tage, um mein zerzaustes Gefieder zu glätten.

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