Mein Bestes?

„Ich gebe mein Bestes“, sagte ich letztens zu meiner Chefin. Das war eine Lüge, auch wenn mir das in dem Moment nicht klar war.

Ja, ich konzentriere mich, bin fleißig und engagiert – aber mein BESTES? Mein Bestes klingt nach mehr als 100 Prozent, nach `über den Durst hinaus´, nach `voller Fokus´. All das investiere ich, wenn überhaupt, in meine Familie. Da ist mir keine extra Meile zu weit; da übernehme ich nicht selten mehr, als ich kann, und gehe an die Grenzen meiner Belastbarkeit. Für meinen Job bleibt dann logischerweise gar nicht mehr so viel übrig – geschweige denn mein Bestes. Denn das ist schon aufgebraucht, ungefähr so wie der Erstgeborenen-Segen Isaaks. Dessen Sohn Jakob hatte sich erschlichen, was seinem älteren Bruder Esau zugestanden hätte. Zwar ging dieser nicht leer aus, aber die besonderen Kuchenstücke waren eben schon verteilt.

Wenn ich nächstes Mal mit meiner Chefin über meinen Einsatz spreche, werde ich ehrlich sein: Mein Bestes ist schon weg, aber ich gebe gern an Kraft, Zeit und Engagement, was meine Familie gut entbehren kann.

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