ISG

Früher war ich jung, beweglich, beschwerdefrei. Früher wusste ich nicht, wofür ISG stand: Iliosakralgelenk, die Verbindung von Kreuz- und Darmbein. Diese beiden waren mir lange unbekannt und haben wunderbar ihre Dienste getan. Ebenso das ISG. Immer mal wieder habe ich im Laufe meiner Lebensjahre vom Iliosakralgelenk gehört – allerdings durchweg negativ: Beschwerden damit, Schmerzen dadurch, Blockaden darin. Man spricht nicht über das ISG, solange es anstandslos seine Arbeit tut. Es ist erst dann in aller Munde, wenn etwas nicht rund läuft mit dem Iliosakralgelenk.

Seit einiger Zeit stimmt bei mir selbst zumindest „jung“ nicht mehr aus jeder Altersperspektive – und beweglich und beschwerdefrei nur noch temporär: Je älter ich werde, umso mehr bringt mir mein Körper die eigene Vergänglichkeit ins Bewusstsein. Und – wer hätte das gedacht? Vor zwei Wochen: Plötzlich waren sie da, meine eigenen Erfahrungen mit dem ISG. Eine Recherche im Netz half, die richtigen Übungen zu finden. Fleißig turnte ich – bis die akuten Schmerzen aufhörten. Danach? War das tägliche Turn-Bedürfnis nicht mehr ganz so dringlich. Ich fühlte mich wieder jung, beweglich und beschwerdefrei. Das hält bis heute an, aber ich ahne: Wir werden sicherlich irgendwann wieder miteinander zu tun haben – mein Iliosakralgelenk und ich.

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