Die Chance einer leeren Seite

In einer kürzlich erschienenen Ausgabe der ZEIT waren zwei Seiten nahezu leer, auf der ersten stand lediglich: `Was ist jetzt noch unvorstellbar?´ In einer darauffolgenden Ausgabe erschienen einige Leser-Reaktionen darauf. Manche fanden die Aktion gut und beantworteten die Frage; andere ärgerten sich: Für eine derartige `redaktionelle Entgleisung´ würden sie kein Geld bezahlen wollen.

Ich musste nicht lange über die Frage nachdenken – für mich ist fast alles vorstellbar. Die weiße Seite selbst war in meinen Augen ein interessanter Gedankenanstoß: Vielleicht ist es heutzutage gut, ab und zu NICHTS zu lesen, KEINEN Input zu haben und KEINEN Außenreiz. Das hilft mir dabei, die Fülle der Gedanken und Gefühle zu sortieren, die mich täglich umtreiben. Manche Leute fahren dafür ins Kloster oder nehmen sich eine Auszeit – und geben eine Menge Geld dafür aus. Damit verglichen ist eine leere Zeitungsseite eine günstige Gelegenheit, während eines vollen Tages innezuhalten und bei sich selbst zu sein.

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