Der Dukatenbaum

Wir haben einen Dukatenbaum geschenkt bekommen – jedenfalls denke ich, dass die Pflanze so heißt. Sie befand sich zunächst in einem viel zu kleinen Topf und wuchs schief. Nach dem Umtopfen hatte der Dukatenbaum noch mehr Schieflage und saß sehr locker in der Erde. Ich steckte zur (Unter-)Stützung einen Stab in die Erde. Das sah zwar nicht gut aus, hielt das Bäumchen aber aufrecht – wenn auch noch immer nur lose im Erdreich verwurzelt. Einige Wochen später entfernten wir den Stab und der Dukatenbaum kippte um, jedenfalls nahezu. „Wart`s ab“, sagte mein Mann, „wir lassen die Stütze trotzdem weg. Entweder er schafft es ohne oder überhaupt nicht.“

Keine zwei Wochen später hat sich der Dukatenbaum merklich aufgerichtet – und ist erstmals fest im Boden verankert. Endlich geschieht etwas: Die Wurzeln wachsen in die Tiefe und die oberirdischen Teile in die Höhe. Jetzt, da all unsere Hilfe weg ist, sieht die Pflanze viel besser aus als am Anfang.

Ich glaube, bei Kindern funktioniert das ebenso: Zu viel Hilfe macht Kinder unselbstständig und abhängig. Erst wenn wir uns zurückhalten, entwickeln sie eigene Kräfte und werden selbst aktiv. Anfangs mag das unbeholfen aussehen – manches misslingt vielleicht auch. Wir müssen das aushalten: Langfristig ist unser Nicht-Eingreifen die beste Unterstützung, die wir ihnen bieten können.

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