Sieben Gedanken zur Wahrheit

1) Meine Wahrnehmung unterscheidet sich bisweilen von der eines anderen – in sich sind beide schlüssig. Existieren also mehrere Wahrheiten? 

2) Inwiefern ich mich traue, wahrhaftig zu sein, hängt davon ab, wie viel Wahrheit der andere aushält. Ob das gut ist oder nicht, sei dahingestellt.

3) Wenn ich – aus welchen Gründen auch immer – nicht die Wahrheit sage, nähere ich mich dann der Lüge?

4) `Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, selbst wenn er die Wahrheit spricht´: wie wahr – und wie schade! Einmal zerstörtes Vertrauen ist nur sehr schwer wieder herzustellen, wenn überhaupt. Der Preis, den man für eine Lüge zahlen muss (Vertrauensverlust), ist meist höher, als der Nutzen, den man von derselben Lüge erwartet hatte.

5) Ein Experte ist jemand mit überdurchschnittlich umfangreichem Wissen auf einem Gebiet. Weiß ein Experte also immer, was wahr ist? Wenn ja: Wie wird man ein Experte?

6) `Lügen haben kurze Beine´ – stimmt wahrscheinlich, aber manchmal dauert es sehr, sehr lange, bis die Wahrheit rauskommt.

7) Ich möchte mich immer über die Wahrheit freuen – selbst wenn sie mir nicht gefällt.

Die Wahrheit – gleich beim `ersten Mal´?

„Dein Kleidungsstil passt nicht zu dir!“ Ein solcher Hinweis kann (subjektiv und objektiv) wahr und sogar hilfreich sein – aber nicht, wenn ich jemanden zum ersten Mal treffe. Andererseits bin ich lieber gleich beim ersten Mal ehrlich, wenn mir jemand zum Beispiel mit einem Kokos-Riegel eine Freude machen möchte. Sonst kann es passieren, dass ich wieder und wieder etwas bekomme, was ich überhaupt nicht mag.

Es stimmt, wenn Jesus sagt: „… und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes 8, 32) Trotzdem braucht es manchmal Mut, ehrlich zu sein – und Fingerspitzengefühl, vor allem beim `ersten Mal´.

Ansichtssache

1) Freiwilliger Verzicht ist leichter durchzuhalten als ein aufgezwungener.
2) Aufgezwungener Verzicht ist leichter hinzunehmen als ein freiwilliger.

Wahrheit ist Ansichtssache.