Doppelt teuer

Eine Nachbarin begegnet mir auf dem Weg zum Supermarkt. „Es ist alles so teuer geworden“, sagt sie. Da ich gerade vom Bäcker komme, gebe ich ihr Recht: Mein Lieblingsbrot steht nur noch selten auf unserem Speiseplan, weil sich sein Preis fast wöchentlich erhöht. Wahrscheinlich sind die gestiegenen Energiekosten verantwortlich für die Verteuerung von Lebensmitteln und anderen Dingen `des täglichen Bedarfs´.

Um hohe Gasrechnungen geht es fast täglich in den Zeitungen, ebenso um steigende Stromkosten. Aber nicht nur die Energie selbst wird teurer, sondern auch die Dinge, die mit Energie produziert werden – also alle. Ergo wird der Verbraucher dann zweimal zur Kasse gebeten … Ich frage mich, ob das dann auch als doppelte Inflation gilt?

Teuer?

Ich kaufe ein Glas Honig und ein paar Haribo-Tüten, um beides ins Vereinte Königreich zu schicken. Als ich bei der Post den Preis für den Versand höre, stockt mir fast der Atem – und ich versende das Paket trotzdem. Auf dem Weg nach Hause beruhige ich mich mit dem Gedanken, wofür ich alles kein Geld ausgebe: teures Make Up, Schmuck, häufiges Essengehen, Flugreisen, ein zweites Auto, neueste Technik … Ich hatte das Geld übrig, dieses Päckchen zu verschicken, der Adressat ist es mir wert. Dennoch: In mir drin meldet sich ein unüberhörbares Stimmchen, das `zu teuer´ flüstert.

Dabei sind Dinge nicht nur objektiv teuer, sondern auch relativ. Verglichen damit, dass eine Schachtel Zigaretten mittlerweile 7€ kostet, ist ein Brot vom Bäcker seine vier, fünf Euro wert: Zigaretten kann ich rauchen, Brot muss ich essen. Wenn ich ein schickes Auto der neuesten Generation lease, nur um `mithalten zu können´, wäre der Griff zu einem gebrauchten Wagen deutlich günstiger – und außerdem noch gut fürs Selbstbewusstsein.

Und: In Relation zu den 50€, die meine Nachbarin kürzlich für überhöhte Geschwindigkeit zahlen musste, war mein Paket nicht teuer – und macht niemanden ärgerlich, aber jemanden glücklich.