Stört mich doch!

Ich hätte nicht `Stört mich nicht!´ sagen sollen – weiß aber, dass es müßig ist, darüber nachzudenken. Passiert ist passiert: Ich hatte nichts gegen ein Loch vor unserer nicht benutzten Einfahrt. Deswegen bearbeitet ein Mann den Asphalt vor unserer Tür mit seinem Bohrhammer – schon den zweiten Tag und mittlerweile für Loch Nummer 2. Er macht dabei einen enormen Lärm. Ich nehme an, der Nachbar lässt irgendwelche Leitungen neu verlegen. Beide Löcher stören uns nicht beim Ausparken; ich kann also nichts dagegen haben. Hätte ich gewusst, wie sehr mich der Lärm beim Zuhause-Sein stört: Mein `Stört mich nicht!´ wäre mir wahrscheinlich nicht so leichtfertig über die Lippen gerutscht. Hinterher ist man immer klüger – und in diesem Fall tatsächlich auch etwas gestört.

Gestört

Ich sitze auf dem Sofa, lese in meiner Bibel, bete und denke nach. Ein Sohn ist krank und kommt runter. Er setzt sich neben mich und erzählt mir kurz, wie es ihm geht. Als er aufsteht, sagt er: „Ich geh`wieder, entschuldige, dass ich dich gestört habe.“ „Alles gut“, sage ich, „du hast mich nicht gestört.“ Ich lese, bete und denke weiter.

Später fällt mir unser Gespräch wieder ein und ich frage mich: Hat mein Sohn mich gestört? Was er mir erzählte, war nicht besonders wichtig; was ich gerade las, betete und dachte, war nicht unwichtig. Er hat mich unterbrochen, ja; gestört hat er mich nicht.