Schön spontan

Es klingelt, ich erwarte niemanden. Eine Freundin steht vor der Tür: „Hast du ein bisschen Zeit? Ich dachte, bei dir kann ich spontan vorbeikommen.“ Sie kann; ich sehe es als Kompliment, dass ich jemand bin, bei der sie sich `traut´, einfach so zu klingeln. „Du kannst genauso spontan sagen, dass es dir nicht passt“, schiebt sie hinterher. Ich muss unweigerlich lächeln: Diese Freiheit gefällt mir, auch wenn ich sie heute nicht in Anspruch nehme. Eine halbe Stunde habe ich Zeit – wir trinken einen Kaffee und reden ein bisschen. Der Besuch tut mir gut: Unser Gespräch und ihr spontanes Klingeln zeigen mir, wer ich für sie bin.

Festlegen

Am Nachmittag bitte ich meine Tochter, einen Freund zu fragen, ob er sie abends mit dem Rad begleiten würde. Ihre Antwort: „Wieso jetzt schon? Ich möchte nicht diejenige sein, die jemand anderen zwingt, sich festzulegen. Die Jugend von heute mag das nicht so gern, sich festlegen.“ Aha, denke ich, das mag sie also nicht, die Jugend von heute. Was ich sage, ist: „Ich möchte aber schon am Nachmittag wissen, ob ich abends einen Fahrdienst übernehmen muss oder nicht. Das Mittelalter würde sich gern festlegen.“ Daraufhin verdreht die Jugend von heute leicht die Augen: Das Mittelalter von heute ist ihr nicht spontan und flexibel genug …

Ob das mit „Generationenkonflikt“ gemeint ist?

Spontan

Ein Samstag im August. Das Wetter ist wunderbar – spätsommerlich warm, sonnig und windstill. Spontan haben wir die Idee zu grillen und laden dazu ein. Wir telefonieren nicht den ganzen Tag, aber doch häufig. Freunde, Kollegen, Nachbarn – wir arbeiten uns voran von denjenigen, die uns sehr vertraut sind, zu denjenigen, die noch nie bei uns waren: Alle sagen ab. Am Ende schauen wir uns an und wissen, wir haben alles gegeben.

Wir waren zu spontan. Jedenfalls ist das unser Trost. Alle Absagen klangen nach Bedauern: „Schon was anderes vor!“ „Zu kaputt.“ „Noch so viel vorzubereiten für den Gottesdienst morgen.“ Manch potentieller Gast war nicht erreichbar. Wir nehmen es nicht persönlich; der Abend wird auch ohne Besuch sehr schön – entspannt und familiär. Wahrscheinlich lag es nicht an uns, es sollte einfach nicht sein.

Keine 24 Stunden später: Nach dem Gottesdienst nehmen wir spontan(!) alte Freunde mit zu uns, um das angefangene Gespräch in unserem Garten fortzusetzen. Sie gehen mit – und noch ein paar andere. Es wird ein besonderer Nachmittag, wir gehen nach fünf Stunden alle beschenkt auseinander. Wahrscheinlich lag es wieder nicht an uns, es sollte einfach so sein.