Mehr als genug!

„Meist gibt es nicht das, was man will“, sagt eine Bekannte, die ich im Supermarkt treffe. Die Regale sind voll, in ihrem Wagen liegt alles Mögliche. Ich wundere mich und denke an meine alte Heimat: Im Konsum um die Ecke lagen drei Sorgen Hartkäse – ein stinkender, ein milder, ein Gouda. Wir nahmen immer Gouda. Vor dem Bäcker warteten samstags die Leute in langer Schlange, bis die nächste Rutsche Brötchen fertig war – und es ein paar Meter voran ging. Wenn der Gemüsehändler ausnahmsweise ein paar Bananen hatte, war es hilfreich, mit ihm befreundet zu sein …

Die Auswahl war – verglichen mit heute – überschaubar. Es gab auch nicht immer das, was man wollte. Aber das Angebot unterschied sich enorm von dem, was wir heute und hierzulande für selbstverständlich halten. Trotzdem waren wir nicht unzufrieden, freuten uns aber natürlich besonders über Extras.

Heute gehören die Extras von damals selbstverständlich zum Standard-Sortiment, nur manchmal nicht in jeder Variante. Meist gibt es viel mehr, als ich will.

Mehr geht nicht

Eine Freundin erzählt mir von ihrem erwachsenen Sohn, der seit fünf Jahren psychisch krank ist. Sie ist traurig, hilf- und ratlos – mir ginge es genauso. Außerdem fragt sie sich, ob sie selbst mit schuld ist daran: Als ihr Sohn vier Jahre alt war, begann sie mit einer zweiten Ausbildung und war drei Jahre lang sehr viel weg. Niemand kann sagen, ob und in welchem Maße das dazu beigetragen hat, dass ihr Sohn jetzt krank ist. Aber ich weiß, dass ihr und ihm diese Überlegungen nicht helfen. Stattdessen bin ich überzeugt: Du kannst die Vergangenheit nicht ändern und auch nicht in die Zukunft wirken. Du kannst nur in der Gegenwart tun, was dir möglich ist – selbst wenn es teilweise fehlerhaft oder eigennützig ist und sehr wahrscheinlich nicht perfekt. Das ist alles, was du tun kannst; mehr geht nicht.

Weniger ist mehr

Ich fahre mitten in der Woche ganz früh zum Bäcker und bringe neben Brot spontan Brötchen mit. Die Kinder wecke ich mit einem geflüsterten „… frische Brötchen zum Frühstück“ und erhalte von allen ein verschlafenes Lächeln. Sie kommen nicht schneller aus dem Bett, aber sie genießen die erste Mahlzeit mehr als sonst. Hinterher sagt eine Tochter: „Weil wir so selten Brötchen essen, sind sie dann besonders köstlich.“ Recht hat sie! Dieser Genuss fällt unter `Lohn des Verzichts´: Weniger ist mehr – selbst bei frischen Brötchen.