Ein Freund meiner Schwester ist Orthopäde. Ich frage ihn manchmal um Rat, diesmal wegen meiner Arthrose im Daumensattelgelenk. „Schonen“, sagt er unter anderem, „alles vermeiden, was reizen könnte.“ Ich muss mich vergewissern, ob ich ihn richtig verstanden habe. Wie soll ich bitte den Daumen meiner linken Hand schonen, wenn ich ihn für fast jeden Haltegriff benötige – zum Gemüseschnippeln zum Beispiel? „Kein Gemüse“, ist seine trockene Antwort, „bis auf weiteres jedenfalls.“ Das ist keine Alternative für mich. Ganz kurz schießt mir das Wort Haussklave durch den Kopf – völlig unangemessen, geradezu absurd. Meinen Großmüttern wäre das im Traum nicht eingefallen; ich schäme mich. Es bleibt also nur eins, weitermachen wie bisher, Orthopäden-Rat hin oder her.
Gemüse
Bei uns gibt es häufig Gemüse und selten Fleisch. Meine großen Söhne fänden es andersherum noch besser. Wir machen uns manchmal einen verbalen Scherz daraus, wie gesund wir uns ernähren, wie viel leckerer (und nur vielleicht ungesünder) es mit viel mehr Fleisch wäre. Gestern fragte einer von der Schule aus, was es zum Mittagessen gäbe. Die Antwort: „Viel Gemüse mit Reis, kein Fleisch – von allem viel.“ Als sie nach Hause kamen, brachten sie zwei Tüten mit. (Es sind Osterwochen bei MacDonalds, ein BigMac kostet anstelle von vier nur einen Euro.) Jeder hatte drei BigMac dabei. Ginge es um Fußball, würde man sagen: „Sie haben die Antwort auf dem Platz gegeben.“