Wichtig? Unbedingt!

Es kommt nur sehr selten vor, dass ich den Geburtstag eines Freundes vorüberziehen lasse, ohne handschriftlich zu gratulieren – das ist mir wichtig. Ich selbst freue mich sehr über echte Post und denke, dass es anderen auch so geht. Einige Rückmeldungen geben mir recht.

Durch verschiedene Extras in den vergangenen drei Wochen sind mir zwei Geburtstage durchgerutscht. `Ach, egal´, denke ich für einen kurzen Moment, `dann lasse ich es eben dieses Jahr´. Aber dann schreibe ich doch, verspätet – so what? Ich möchte mich nicht von einer vorübergehenden Fülle des Lebens abhalten lassen von etwas, was mir wichtig ist.

Eine meiner Töchter und ein Sohn schreiben meinem Mann zum Geburtstag; die anderen gratulieren per Video-Call: alles sehr individuell und wertschätzend. Diese konkreten Geburtstagsgrüße berühren ihn – sie sind ihm wichtiger, als Geschenke es je sein könnten.

Was für ein Geschenk!

Mein Geburtstag ist fast ein Tag wie jeder andere: Ich frühstücke mit meinem Mann, gehe arbeiten, nachmittags sind auch Kinder wach; abends kommt eine Freundin vorbei. Außerdem rufen einige an oder schreiben Karten oder eine Mail – auch Menschen, die mir jahrelang nicht gratuliert haben. Weil meine Familie weiß, dass ich mich über Geschenke freue, lassen sie sich ein paar Dinge einfallen. Aber dass Menschen freundlich an mich denken und mich mögen, ist das schönste Geschenk – nicht nur an diesem Tag!

Ein Geburtstag und ein Länderspiel … 

Geschenkidee – Recherche – Hinfahren – Erwerben – Zurückfahren –Auspacken – Zusammenbauen: fertig, und zwar innerhalb von zwei Stunden und vier Tage vor DEM Tag. Es ist wunderbar, wenn etwas `läuft wie ein Länderspiel´. Den Rest des Tages über freue ich mich.

Ein Fest: klar und leicht

Ein Freund lädt uns zu seinem Geburtstag ein. Was er sich wünscht, will ich wissen. Die Antwort kommt prompt: Gar nichts, er habe alles und wolle auch nicht wieder ein Buch bekommen – was er lesen möchte, kaufe er sich selbst. Er würde sich freuen, wenn wir kämen: Die seit einigen Jahren gleiche Gästeliste habe sich ebenso bewährt wie der gekaufte Kuchen, den er uns kredenzen werde.

Ich finde diese Klarheit wunderbar: Er weiß, was ihm gefällt, und macht sich und uns das Zusammensein leicht.

Nicht nur schade!

Eine Freundin von mir wird heute 80. Sie ist seit zehn Jahren Witwe und lebt allein. Anlässlich ihres Geburtstages hatte sie zu einem großen Fest eingeladen. Dieses kann aufgrund der derzeitigen Ausnahmesituation nicht stattfinden – schade.

Heute Morgen ging ich zum Gratulieren vorbei und sang ihr ein Geburtstagsständchen. Wir redeten eine halbe Stunde und tranken ein Glas Sekt. Immer wieder klingelte das Telefon, klar: Die meisten können nicht kommen und rufen an – oder schreiben oder wählen digitale Kommunikationswege. Zum Kaffeetrinken wird später ihr Bruder vorbeikommen.

Am Ende des Tages wird das wahrscheinlich alles gewesen sein: viele Anrufe, analoge und digitale Grüße, ein kurzer Besuch von mir und ein Mini-Kaffeetrinken. Verglichen mit dem geplanten „großen Fest“ scheint das eine magere Ausbeute zu sein. Von dem unterschwelligen „Schade-Gedanken“ lässt meine Freundin sich nicht beherrschen: Sie trägt ein schickes Kleid, hat Blumen im Haus, die Sonne scheint, und den ganzen Tag wird sie die Glückwünsche von Menschen hören, die sie mögen. Wer sagt, dass das nicht auch ein wunderbarer Geburtstag sein kann?