Kein guter Deal

Wir verleihen unser großes Auto und erhalten als Ersatz zwei kleine. Eines davon ist wirklich klein, bei dem anderen funktioniert die Servolenkung nicht. Angesichts anstehender Autofahrten ist der Tausch kein guter Deal für uns. Wir sind trotzdem flexibel: In den nächsten zehn Tagen werden wir beide Wagen vor allem stehen lassen – und noch mehr Fahrrad fahren.

Unser „Panzer“

Unsere Kinder nennen unser Auto liebevoll den „Panzer“. Es ist groß, schwer und ein wenig behäbig. Der Traum eines Fahranfängers sieht anders aus. Wir fahren dieses Auto, weil es praktisch ist, zuverlässig und Platz hat für uns alle. Dafür haben wir Geld ausgegeben. Für „modern, hoch motorisiert und mit allem möglichen Schnickschnack ausgestattet“ wollten wir kein Geld ausgeben.

Aus Sicht unserer beiden großen Söhne war es eine Verschlechterung, vom Fahrschulauto auf den „Panzer“ umzusteigen: „Diese Sch…-Kupplung ist geeignet zum Beinmuskeltraining, aber nicht zum Kuppeln … ; bei dem Auto kann man nicht weich schalten … ; das muss einem ja absaufen …“ – die Kommentare belegen: Das Auto hat Schuld.

Wir wissen: Der „Panzer“ ist ein gutes Training; wenn die Kinder ihn fahren können, sind sie auf jedes andere Auto bestens vorbereitet. Was könnten wir uns besseres wünschen?

Nur ein Auto

Ein Freund meines Sohnes hat zu seinem 18. Geburtstag ein nagelneues Auto geschenkt bekommen. Damit kann er jetzt zur Schule fahren, wenn es zu kalt ist oder nieselt und auch, wenn er einfach nur keine Lust zum Radfahren hat. Mein Sohn findet das großartig, in mir löst dieses Geschenk eine gewisse Resignation aus und ich sage: „Da können wir nicht mithalten.“ „Stimmt nicht“, sagt mein Sohn, „da wollt ihr nicht mithalten, ihr könntet schon.“

Wahrscheinlich hat er recht: Wir könnten ihm ein Auto kaufen; aber stattdessen legen wir Geld zurück für seine Ausbildung und die seiner vier Geschwister. Auch wenn wir das Geld dafür nicht bräuchten, würden wir es nicht in ein Sohn-Auto stecken. Wir finden, dass ein 18-Jähriger, der zu Hause wohnt und in die Schule geht, kein Auto braucht und dass ein derartiges Geschenk eher „gut gemeint“ ist als „gut“.

So wird das schwierig mit Klima und Nachhaltigkeit, mit einem bewussten Umgang mit Ressourcen oder einem geringeren CO2-Ausstoß. Abgesehen davon zählt ein Auto in meinen Augen nicht zur klügsten Investition anlässlich der Volljährigkeit: Ist nicht auch Verzicht wichtig und die Erfahrung, dass ich mich für Träume anstrengen muss? Worauf freue ich mich noch, wenn das Besondere immer selbstverständlicher wird? Wenn ich mit diesen Argumenten komme, schüttelt mein Sohn jedoch den Kopf. Er will nicht verantwortlich sein für die gesamte Klima-Misere und auch nicht an den Werten seiner Eltern gemessen werden. Es handelt sich „nur um ein neues Auto“ – und wir nutzen das Teil gleich wieder zum Belehren, Erziehen und zur Charakterbildung.

Politisch unkorrekt, aber witzig

Ein Freund von uns hat seit Weihnachten ein neues Auto, einen BMW X7. Mich interessieren Autos nicht so sehr; aber mein Sohn wusste: Dieser Wagen ist noch größer ist als der, den unser Freund vorher fuhr. Als ich zu dem neuen Fahrzeug gratulierte, kam schlagfertig: „Irgendwas muss man Greta ja entgegensetzen, oder?“

Die Antwort mag noch so unüberlegt oder unreif trotzig klingen – sie brachte mich zum Schmunzeln.

Nur ein Auto?

Selten fahre ich mit dem Auto einkaufen, aber heute überließ ich der Bequemlichkeit den Sieg über die Disziplin. Auf dem Rückweg an der Ampel stand ein Fahrzeug vor mir, das mich zum Lächeln brachte.

Es war weder frisch gewaschen noch von einer besonders seltenen (attraktiven) Marke; es handelte sich auch nicht um mein Traumauto. Es war ein mittelgroßer Mitsubishi, das Markensymbol von denen kenne ich. Es war silbern und sah nach einem älteren Modell aus. Außerdem war das Auto ungewaschen und am Kofferraum leicht zerschrammt; eine Rücklicht-Verkleidung war abgebrochen, und an der Seite befand sich eine Delle. Es sah aus wie ein ganz normales Auto – und fiel mir auf zwischen all den schicken, glänzenden, Beulen- und Schrammen-losen, neu anmutenden, offenbar PS-starken Wagen, die heutzutage hauptsächlich das Straßenbild prägen. Es sah aus wie „in die Jahre gekommen“.

Genau wie ich.

Richtige Ökos

Mein Sohn und ich fuhren mit dem Rad in die Stadt. Vorher hatte es mehrfache Anfragen seinerseits gegeben, ob wir nicht das Auto nehmen könnten. Da es sich um einen Weg von etwa fünf Kilometern handelt und es zudem nach einer Regenpause aussah, war meine Antwort klar. Also strampelten wir den einzigen Hügel hinauf, der unsere Wohnsiedlung von der Innenstadt trennt, böiger Wind von überall, links und rechts dunkle Wolken am Himmel (Aprilwetter im März eben) und mein Sohn meinte: „Das ist richtig gutes Wetter zum Autofahren.“

Interessanter Weise hat „gutes Wetter zum Autofahren“ keine eigenen Attribute wie Sonnenschein und strahlend blauer Himmel, sondern erklärt sich einzig und allein durch „ungemütlich zum Fahrradfahren“. Im Grunde ist also jedes Wetter „gut zum Autofahren“; denn „gutes Wetter zum Fahrradfahren“ wäre Sonne, warme Temperaturen (aber nicht zu warm) und kein Wind (außer bergauf, dann aber von hinten). Das Fenster ist eng: Es ist oft windig, es ist schnell zu warm, Sonne kann auch blenden und Autofahren ist einfach cooler.

Kurze Zeit später, es regnete noch nicht, ergänzte mein Sohn: „Ihr seid so richtige Ökos!“ Er meinte es nicht als Kompliment, und seine Öko-Kategorie hat eine sehr niedrige Eintrittsschwelle. Es reicht, normalerweise das Fahrrad zu nehmen, sich beim Einkaufen keine Plastiktüten geben zu lassen, keine Fertiggerichte zu kaufen und stattdessen selbst zu kochen, wenig Fleisch und viel saisonales Gemüse zu essen und insgesamt bedacht zu konsumieren. Vielleicht kommt es noch ganz gut, nicht in den Urlaub zu fliegen. Im Grunde reicht es, so zu leben, wie die meisten lebten, als wir nicht Eltern, sondern Kinder waren. Damals war „Ökos“ ein Status, der sich nur mit viel Hingabe und großer Konsequenz erreichen ließ. Ich bin gespannt, welche Zuordnung ich mir in weiteren 40 Jahren erarbeitet haben werde – ohne dass ich meine Lebensweise großartig ändern muss.

Lampen, die leuchten

Früher hatten wir ein Auto, das vor allem fuhr. Das Gefährt, das wir seit zweieinhalb Jahren besitzen, kann noch ein bisschen mehr, worüber ich mich sehr freue. Ich habe nichts gegen einen gewissen Komfort; ohne Komfort waren wir vorher unterwegs. Das bedeutet auch, dass ich kein grundsätzlicher Feind von Elektronik bin – manche Unterstützung in der Hinsicht möchte ich nicht mehr missen. Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber zum Beispiel sind sehr praktisch. Ich bin jahrelang ohne diese Helferlein gefahren und weiß sie heute sehr zu schätzen. Mehr Hilfe brauche ich nicht, und mehr Hilfe bekomme ich nicht: Unser Auto ist vergleichsweise basal ausgestattet. Reicht mir, kein Problem.

Was ich nämlich nicht brauche, ist der ganze Rest an Elektronik, der an eine Menge von Kontroll-Lampen angeschlossen ist. Die machen mich ganz kirre, denn sie weisen entweder auf diffuse oder konkrete Fehler hin: Die Motorkontrollleuchte, eine andere, die aussieht wie ein Auspuff, eine in Reifenform und eine weitere, die mit dem Sicherheitssystem zu tun hat. Es gibt sicher noch mehr, aber bisher kenne ich nur die vier. Vielleicht hängen sie sogar zusammen? Ich weiß es nicht.

Man sieht die Lämpchen nur, wenn sie leuchten. Dann aber ist etwas nicht in Ordnung, dann aber „empfiehlt“ die Bedienungsanleitung, man solle umgehend in die Werkstatt fahren. Wir machen dass dann auch, aber bisher musste nur selten ein Ersatzteil ausgetauscht werden. Bisher reichte es aus, das ganze System mittels „Reset“ neu zu starten: „Es war nur eine diffuse Fehlermeldung, noch(!) besteht kein weiterer Handlungsbedarf.“ Bisher bezahlten wir einen verschmerzbaren Betrag, fuhren nach Hause – und nach einer Weile ist eine Lampe nach der anderen wieder angegangen.

Dieses wiederkehrende Aufleuchten der Lampen hat mich eingelullt. Letztens fuhr ich wieder zur Werkstatt und dachte: „Die stellen einfach alles wieder auf Null und gut.“ Letztens nicht. Letztens wurde aus einer diffusen Fehlermeldung eine konkrete – und aus verschmerzbar wurde teuer.

Jetzt sind alle Lampen wieder aus, das ist gut. Sie sind zwar noch da, aber ich sehe sie nicht. Und so mag ich sie am liebsten.