Jetzt nicht!

Zwei Wochen lang war ich für meine Verhältnisse ziemlich krank. Ich fuhr mit halber Kraft durch meine Tage, an Sport war nicht zu denken. Wie immer in solch einem Fall werde ich irgendwann ungeduldig und unausgeglichen: Mir fehlt die Bewegung. Sobald es also wieder geht, putze ich mich durch das Haus. Eine Freundin bescheinigt mir daraufhin, ich sei zu sehr davon getrieben, etwas ZU TUN. Vielleicht müsse ich lernen, einfach nur ZU SEIN.

Einerseits hat sie wahrscheinlich Recht: Es ist ungesund, mich darüber zu definieren, was ich leisten kann. Andererseits tut es meiner Seele gut, wenn ich etwas schaffe. Untätigkeit `schmeckt´ mir immer nur für eine sehr begrenzte Zeit. Die Frage ist, wann und wofür ich die Arbeit ruhen lasse. In der Bibel steht eine Geschichte dazu: Jesus besucht die Schwestern Martha und Maria. Martha verhält sich so gastfreundlich, wie es damals und dort üblich war; Maria setzt sich mit Jesus hin und hört ihm zu. Als Martha sich beklagt, Maria würde ihr nicht helfen, sagt Jesus: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.“ (Lukas 10, 41+42)

Man kann immer arbeiten, aber nicht immer mit Jesus zusammensitzen. Maria nutzt die besondere Gelegenheit, die sich bietet; Martha will stattdessen der Pflicht genügen und kümmert sich um den Alltag. Dass es andererseits nicht per se schlecht ist, eine beflissene Hausfrau zu sein, steht jedoch auch in der Bibel: „Es sind wohl viele tüchtige Frauen, du aber übertriffst sie alle.“ (Sprüche 10, 29)

Ob ich eine pflichteifrige Martha bin oder aber eine tüchtige Frau – der Unterschied liegt darin, was ich damit bezwecke. Wer aber kennt schon sein Herz? Putze ich mein Haus, weil es mir Spaß macht, weil es nötig ist, weil ich mich freue, überhaupt etwas tun zu können … oder um damit zu glänzen? (Ich denke, ich weiß warum.)

Die anfangs erwähnte Freundin meint, Jesus sei als innerer Antreiber geeigneter als Martha. Dazu wäre es gut, mit Jesus über `meine Martha´ zu reden. Grundsätzlich stimme ich ihr zu; aber jetzt, wo ich gerade wieder krauchen kann – passt mir das nicht!