Nochmal Synchronspringen

Die deutschen Synchronspringer gewinnen Bronze und freuen sich unbändig. Der Jubel nach diesem Erfolg will raus in Bewegung oder Geschrei. Nur kurz umarmen sie sich; in einem solchen Moment verharrt man ungern still in den Armen eines anderen – und sei es auch der Trainingspartner. Die eigene Freude ist riesengroß und lässt sich gut allein aushalten.

In meinen Gedanken sehe ich die traurigen Russen nach ihrem gescheiterten Sprung. Sie umarmen sich nicht; dabei bräuchten sie in einem solchen Moment die Arme eines anderen – am besten die des Trainingspartners. Die eigene Trauer ist riesengroß und lässt sich kaum allein aushalten.

Ein Grund zur Freude

Ich liebe meinen Mann. Klar, sonst hätte ich ihn nicht geheiratet. Und doch ist eine Ehe ein bisschen wie „die Katze im Sack kaufen“. Man redet vor der Hochzeit über eine ganze Menge – und über noch viel mehr wahrscheinlich nicht. Zumindest wir lernten uns erst während der Ehe besser kennen. Unterschiedliche Ansichten und Gepflogenheiten sind seither Anlass zur Freude, Ergänzung oder auch Herausforderung. 

Mein Mann ist handwerklich weder ungeschickt noch unwillig – als Besitzer von Haus und Garten ist das super. Aber er ist nicht der Typ mit der „Axt im Haus, die den Zimmermann erspart“. Und das ist auch super! Wenn es samstags in unserer Siedlung hämmert, sägt, flext oder die Hochdruck-Reiniger um die Wette spritzen, freue ich mich. Denn: Ich bin kein Fan von (meist lautem) Männerspielzeug – und mein Mann glücklicherweise auch nicht.

Kein Dauerzustand

Große Trauer erschüttert uns, große Freude genauso. Und obwohl unerwartete Todesfälle oder die Geburt eines Kindes uns lebenslang prägen, besteht die große Herausforderung darin, uns von derart emotionsgeladenen Ereignissen nicht definieren zu lassen. Weder große Trauer noch überwältigende Freude haben langfristig die Herrschaft über unsere Persönlichkeit – auch wenn die mit ihnen verbundenen Gefühle uns nie ganz verlassen werden. Menschen, die tiefes Leid erfahren, dürfen darin nicht verharren – sonst verzweifeln sie und werden bitter. Und auch große Glücksgefühle verlieren mit der Zeit ihren Zauber und werden überlagert von mehr oder weniger banalen Erfahrungen: Das Leben spielt sich ab in den Niederungen des ganz gewöhnlichen Alltags. Wie wir dort gleichermaßen ernsthaft und lebensfroh bleiben können – darin zeigt sich, wer wir sind.