Vom Grüßen

In manchen Geschäften in der Innenstadt ist die verbale Nähe zum Kunden offenbar oberstes Gebot: Egal, dass die Verkäuferinnen meine Töchter sein könnten – ich werde geduzt. Manchmal frage ich mich, ob dieselben jungen Frauen auch in anderem Kontext alternativlos zum DU greifen würden: Wie begrüßen sie solch mittelalte Damen wie mich auf der Straße oder an deren Arbeitsplatz – in der Arztpraxis, im Rathaus, an der Supermarkt-Kasse, beim Elternabend …? Ich mag altmodisch sein, aber für mich gilt noch immer: Wenn ich jemanden nicht überall duzen würde, sollte ich es auch nicht bei einem potentiellen Verkaufsgespräch tun. Firmenphilosphie hin oder her – schließlich sehen Kundin und Verkäuferin sich gerade zum ersten oder maximal zweiten Mal.

Auf der anderen Seite wohnen Leute in meiner näheren Siedlung, denen ich fast täglich beim Spaziergang zuwinke oder zunicke. Wenn sie mich im Supermarkt nicht zu registrieren scheinen, bin ich verwirrt: Empfinde nur ich es als höflich, sich zu grüßen, wenn man sich schon x-mal gesehen hat?

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