Heute nehme ich das Auto zum Einkaufen, denke ich mir morgens: Wegen eines Besuchswochenendes habe ich viel auf dem Zettel. Kurz bevor ich ins Büro fahre, wecke ich meine Tochter. „Kann ich das Auto heute nehmen, Mama?“, fragt sie mich. Sie würde nach ihrem Arbeitstag noch bei einem Fußballspiel zuschauen und müsste danach nicht mit dem Rad durch die halbe Stadt. Ich brauche nur eine Millisekunde, um gedanklich umzudisponieren – mit dem Fahrradanhänger kann ich auch eine Menge transportieren. Dann sage ich „Ja“. Weil meine Tochter mein Zögern bemerkt, fragt sie nach. „Jaja, nimm das Auto, alles gut“, wiederhole ich und bin dabei nicht ganz ehrlich.
Als ich mich aufs Rad schwinge, um zur Arbeit zu fahren, fängt es an zu nieseln. Nicht nur deshalb frage ich mich, wieso ich spontan „Ja“ gesagt habe. Denn das passiert mir öfter – und fast immer ist es für mich dadurch unpraktisch, dafür aber bequem für mein Gegenüber.
Ich will andere entlasten, ihnen einen Gefallen tun, helfen – deshalb mein spontanes „Ja“. Dabei ist es für den Charakter manchmal hilfreich, wenn etwas unbequem ist und bleibt. Nur dann wird man kreativ und sucht selbst nach einer Lösung. Für die Zukunft nehme ich mir öfter mal ein wohl überlegtes, ehrliches „Nein“ vor: Es ist nicht lieblos oder unfreundlich, sondern Gelegenheit für ein „Ich kümmere mich selbst“ bei meinen Kindern.

