Eine junge Frau spricht mit einem ebenso jungen Mann. Sie erzählt ihm, wie sie sich ihr Leben wünscht: Wenn möglich, würde sie gern ihrem Mann das Geldverdienen überlassen und sich selbst um Haushalt und Kinder kümmern. Es ist für sie nicht attraktiv, sich Berufstätigkeit sowie die Aufgaben zu Hause zu gleichen Teilen mit ihrem Mann zu teilen. Gleichberechtigung heißt für sie, dass jeder die Rolle übernimmt, die am besten zu ihm passt – und beide aufeinander angewiesen sind.
Der junge Mann hört zu und staunt. Dass eine Frau sich ihre Zukunft so vorstellt, ist ihm neu. Seiner Wahrnehmung hat politisch korrekte Gleichberechtigung derzeit damit zu tun, möglichst unabhängig zu sein, um sich selbst zu verwirklichen. Emanzipierte Frauen, so heißt es, verdienen ihr eigenes Geld und teilen sich Haus- und Erziehungsarbeit mit dem Mann. Es „sind schließlich auch seine Kinder“.
Diese junge Frau sieht das anders. In einer Partnerschaft voneinander abhängig zu sein, ist für sie nicht bedrohlich, sondern eine gute Ergänzung. Sie steht zu einem Lebensplan, der sie weder reich machen noch ihr gesellschaftliche Bewunderung bescheren wird. Mit der ihm zugedachten Aufgabe in ihrem Lebenskonzept könnte der junge Mann sich gut arrangieren. Es käme ihm nicht in den Sinn, auf sie herabzuschauen. Er erlebt sie als stark und unabhängig – auch ohne eigene Karriere selbstverständlich auf Augenhöhe.

