Ideal versus super

Aus Sicht des Unkrauts sind die derzeitigen Wetterbedingungen ideal – es ist warm und ausreichend feucht. Alles (vor allem das Unkraut) wächst darum schneller, als mir lieb ist. Ich mag es zwar grün, aber es ist mir nicht egal, WAS da grünt und wächst – und vor allem nicht, in welcher Menge. Eine geringes Unkrautaufkommen toleriere ich schon aus Selbstschutz: Mein Rücken scheint für stundenlanges Hocken nicht trainiert genug zu sein, ich bin nicht pingelig. Ein oberflächlicher Blick durch unseren „pflegeleichten“Garten zeigt mir nur ein paar harmlose grüne Hälmchen. Erst wenn ich mich auf die Knie bewege, offenbart sich mir, was ideale Wetterbedingungen tatsächlich für das Unkrautwachstum bedeuten. Bei näherer Betrachtung sind die „harmlosen Hälmchen“ ein üppiger Bewuchs, der noch dazu dabei ist, sich exponentiell zu verbreiten – nicht so super.

Dennoch ist mir ideales Wetter – warm und feucht – kein Dorn im Auge. Im Gegenteil: Was dem einen nutzt, dient manchmal auch dem anderen. Bei „warm und feucht“ wächst es sich nicht nur wunderbar, es jätet sich auch hervorragend! Die Wärme lockt Frostköttel wie mich nach draußen; und der feuchte, lockere Boden gibt jede Unkrautwurzel leicht her. Typische Win-win-Situation – die sich in verregneten Jahren mehrmals durchleben lässt. Allerdings habe ich im Sommer nichts gegen eine Pause und tausche „warm und feucht“ (ideal) gern ein gegen „warm und trocken“ (auch super).

Über langgezogene norddeutsche Winter

In unserer Gegend ziehen sich die Winter meist bis Ende April. Zwischendurch mag es ein paar warme Tage geben; aber das ist alles Spaß. Ja, es ist abends schon wieder viel länger hell; die Bäume haben in den letzten paar Tagen ihr Outfit von blattlos-grau zu austreibend-grün verändert. Tatsache ist: Ich sehe, aber ich fühle nicht, dass Frühling ist. Denn bei uns wird es erst im Mai zuverlässig wärmer.

Mir dauert das viel zu lange: Diese langgezogenen norddeutschen Winter gehen mir jedes Jahr im April gehörig auf die Nerven und bringen meine Geduld an ihre Grenze. Warm will ich`s haben, angenehm warm. Es darf erstmal lau sein am Abend, nachts nicht mehr frieren und auf dem Rad gut ohne Handschuhe machbar. Mehr will ich gar nicht – an sommerlich heiß bin ich noch nicht interessiert. Stattdessen bekomme ich frostig anmutende Temperaturen, die sich hartnäckig halten. Ich habe viel Gelegenheit, meine Wintergarderobe weiter zu tragen, und finde es auf der Terrasse noch zu ungemütlich.

Das Wetter ist ein sehr undankbares Thema – wir haben keinerlei Einfluss darauf. Ich sollte lernen, mich einfach damit abzufinden. Diese langgezogenen norddeutschen Winter könnten dahingehend eine gute Schule sein – bei mir bisher ohne Erfolg.

Richtig warm?

Es gibt Winterjacken, die richtig warm halten. Für Grönland und die Antarktis zum Beispiel: Es gibt schließlich Menschen, die dort hinfahren und nicht erfrieren.

Ich besitze offenbar kein solches Kleidungsstück, denn: Solange ich mich bewege, ist alles gut. Sobald ich aber nur stehe und vielleicht auf jemanden oder etwas warte, ist nichts mehr gut. Es kommt irgendwann der Augenblick, an dem ich anfange zu frieren.

Vielleicht liegt es daran, dass es (noch und bei uns) nicht richtig kalt ist. Oder ich bin ein besonders verfrorenes Exemplar Mensch. Es kann auch sein, dass ich eine andere Winterjacke brauche – eine von den richtig warmen.

Sommerurlaub

Meine Idee von Sommerurlaub ist eine ganz bestimmte. Warme bis heiße Tage, strahlend blauer Himmel, laue Abende – Draußenwetter für Warmduscher. Besonders wenn ich ins Wasser gehe, brauche ich es heiß: Zu schwierig ist es für mich, nach einer Meerwasser-Abkühlung wieder warm zu werden, wenn das Thermometer 24 Grad zeigt und ein leichter Wind weht.

Dieses Jahr sind wir auf einer Nordsee-Insel. Es ist schön und gut, aber nicht warm, geschweige denn heiß: Die Temperaturen bleiben in stetiger Zuverlässigkeit unter 20 Grad. Das ist – für meine Vorstellungen – nicht sommerlich, sondern fühlt sich durch den dauerhaft wehenden Wind eher herbstlich an. Normalerweise entspricht das Wetter also nicht meinen Erwartungen. Die Lösung? „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“ mag stimmen, entlockt mir aber nur ein unwirsches Augenverdrehen. Also ziehe ich an, was ich in weiser Voraussicht an dickeren Klamotten mitgebracht habe, und gehe mit dem oder gegen den Wind am Meer spazieren.

In die Nordsee werde ich mich vielleicht zusammen mit ein paar verrückten Kindern stürzen – ganz kurz. Oder gar nicht. Was ich nicht tun werde: Am Strand sitzen, Strandmuschel aufbauen, Badeanzug unter die Fleece-Jacke ziehen, Handtuch bereithalten und auf das Wolkenloch warten. Meine Hoffnung auf diese Art Sommerurlaub stirbt nicht zuletzt, sie ist bereits begraben. Nur so kann ich genießen, was sich uns in Sachen Wetter bietet. Und ich freue mich ehrlich – dass es nicht regnet, dass der Wind mittlerweile schon deutlich weniger geworden ist, dass es ein Volleyballfeld in der Nähe gibt, dass die Kinder sich so gut verstehen…