Voll zutreffend

`The days are just packed´ lautet der Titel eines Comic-Teiles aus der Reihe `Calvin and Hobbes´. Es erzählt von dem sechsjährigen Jungen Calvin und seinem Kuscheltiger Hobbes – für Calvin ein lebendiges Gegenüber. Eltern oder andere Figuren spielen nur Nebenrollen (passend zur Realität eines echten Sechsjährigen). In der deutschen Übersetzung heißt der betreffende Band `Ereignisreiche Tage´, was lange nicht so gut klingt wie die wörtliche Übersetzung: `Die Tage sind einfach voll´ gefällt mir viel besser und beschreibt manchmal auch mein Leben. Aber egal, wie sehr ich mich manchmal abmühen muss, um sie in den Griff zu bekommen, diese (meist selbst gewählte) Fülle: Der Gedanke an den englischen Titel des Buches zaubert mir JEDESMAL ein Lächeln ins Gesicht.

Voll

„Mein Leben ist ganz schön voll, zu voll“, höre ich immer öfter. Gemeint ist die Fülle an Arbeit, Familie, Unternehmungen. An sich ist alles schön, gut und wichtig, aber in der Summe ist das Leben von vielen Menschen zu voll. Was fehlt, ist eine gute Balance von Anspannung und Entspannung.

Neben beruflichen Entwicklungschancen (die lasse ich hier mal außen vor) gibt es zahlreiche Möglichkeiten: persönliche Hobbys, Freizeitangebote, Reiseziele, Kultur – diese Vielfalt ist großartig. Auch ich könnte mich in Aktivitäten verlieren.

Ich würde gern:

  • einen Tanz-Workshop machen,
  • in einem Laien-Chor singen,
  • solange Handstand üben, bis ich ihn sicher stehen kann,
  • mit Muße an einem Fotokurs teilnehmen,
  • mich der englischen Sprache nicht nur durch Bücher und Filme aussetzen, sondern sie richtig studieren,
  • doch nochmal Klavierunterricht nehmen (???),
  • Themenabende veranstalten und in kleiner Runde über Geschichte und Politik austauschen,
  • bei einem „personal trainer“ Kraulschwimmen lernen,
  • einmal die Woche klettern gehen,

All das sind keine unerfüllbaren Träume – die gibt es noch zusätzlich -, all das wäre theoretisch machbar und realisierbar. Vielleicht nicht alles auf einmal, ich müsste mich entscheiden. Noch aber scheitert die praktische Umsetzung an gewissen Grenzen: Meine Kraft, meine Kapazität, meine Zeit – nichts davon steht mir unbegrenzt zur Verfügung. Letztlich ordne ich meine persönlichen Wünsche dem Gesamtpaket unter. Es ist mir bewusst, dass ich nicht alles machen kann, was ich gern machen würde: Dann machte ich vor allem eins irgendwann – schlapp. Also verzichte ich freiwillig und lasse Dinge sein, die – wie man so schön sagt – derzeit nicht dran sind. „Es passt noch nicht“ bedeutet dabei nicht das Eingestehen einer Niederlage, sondern den weisen Umgang mit meinen Ressourcen. Verzicht ist nicht nur schlecht. Etwas nicht zu tun, verhindert, dass mein Leben zu voll wird. Und das ist mir wichtiger, als alles „unterzubringen“, was schön und möglich wäre.