(Nicht) viel?!

Was haben Spazierengehen und Saugen gemeinsam? Mein Körper arbeitet, ohne sich sonderlich anzustrengen; mein Geist hat Pause: Das ist der beste Nährboden für kreative Gedanken oder um `gordische Knoten´ im Hirn zu entwirren. Manchmal bin ich selbst überrascht, wie viel sich in mir tut, während ich äußerlich nicht viel schaffe.

Vom Sein und vom Tun

Ein Freund von mir ist gerade pensioniert worden. Offiziell arbeitet er nicht mehr; von außen betrachtet hat er allerdings nur die Inhalte getauscht: Die Stunden, in denen er vorher arbeitend beschäftigt war, verbringt er jetzt weiter arbeitend – nur nicht mehr beruflich. Das ist in Ordnung, denn er ist vielfältig interessiert. Schade finde ich jedoch, dass er gestresster wirkt als vor seiner Pensionierung: Zu viele verschiedene Projekte muss er parallel jonglieren.

Ich kenne ihn schon sehr lange, er hat immer viel gearbeitet. Offensichtlich kann er damit nicht einfach aufhören. Was ich am meisten an ihm schätze, hat jedoch weniger mit seinem Beruf zu tun als mit seinen menschlichen Stärken: Er ist ein guter Zuhörer und ein kluger Ratgeber. Daher bedauere ich es, dass er noch immer sehr wenig Zeit hat für diese beiden so wichtigen Gaben. Aus meiner Sicht wäre es schön, er würde in Zukunft mehr sein als tun. Wann, wenn nicht jetzt?

Geschäftigkeit – Mai 2017

Ein angebrochener Mittelfußknochen zwingt mich zu einer Ruhe, die ich sonst so nicht suchen würde. Mehrere Gedanken drängen sich auf:

Wir sind ein Volk der Betriebsamkeit; es fällt uns schwer, nichts zu tun oder uns wenigstens nicht über unser Tun zu definieren. Und das gilt nicht nur für die viel gescholtenen Schwaben mit ihrer „Schaffe, schaffe, Häusle baue“-Mentalität, sondern auch für mich.

Plus: Ich frage mich, was meine Zeit wert ist, wenn ich sie im Nichtstun verbringe. Warte insgeheim auf den Tag, an dem ich wieder durchstarten kann. Dabei bin ich gar nicht faul, nur ein bisschen ausgebremst in praktischen Belangen.

Drittens: Ich mache Dinge gern selbst, weil ich sie dann genau so machen kann, wie ich will – und das ist doch die beste Variante.

Last but not least: Ich halte eine aufgezwungene Ruhe schlechter aus als eine freiwillige. Während ich mich normalerweise immer mal wieder nach Pausen sehne, empfinde ich diese von außen verordnete als Zumutung – auf die Spitze getriebener Individualismus oder normaler Freiheitsdrang?