Tatsächlich ergebnisoffen

Das Ideal jeder Verhandlung, jedes Streits, ist, wenn wir tatsächlich bemüht sind, dass jeder der Beteiligten zu Wort kommt und jedermanns Sicht der Dinge gleichermaßen geschätzt wird. Tatsächlich erfordert es aber Größe und ist schwierig, vorher nicht zu wissen, wo wir enden – also ergebnisoffen zu diskutieren.

Das Normale bei jeder Verhandlung, jedem Streit, ist es, wenn wir sehr bemüht sind, unsere eigene Sicht der Dinge möglichst so überzeugend darzulegen, dass diese am meisten geschätzt wird. Tatsächlich fällt es uns nämlich leichter, vorher genau zu wissen, wo wir enden – also nicht ergebnisoffen zu diskutieren.

Tatsächlich

Immer wieder werden Autofahrer von ihrem Navigationsgerät in Gräben oder unverhofft auftauchende Weiher gelockt – ich lese in regelmäßigen Abständen davon. Ich gebe zu: Eine elektronische Navigationshilfe ist praktisch. Trotzdem vertraue ich unserem Navi nicht blind. Wohin ich tatsächlich fahre, entscheiden mein Orientierungssinn, der Blick durch die Windschutzscheibe und ein Gespür für `abseits der Straße´.

Jeder hat heutzutage eine Wetter-App auf dem Smartphone; meine liegt oft daneben mit ihren Prognosen für genau meinen Standort. Eine App kann hilfreich sein. Aber ob es tatsächlich regnet (und wie stark), sehe ich, indem ich aus dem Fenster schaue oder vor die Tür trete. 

Ich höre von Leuten ohne Krankheits-Symptome, die sich erst durch einen negativen Corona-Schnelltest sicher genug fühlen, andere Menschen zu treffen. Es mag sein, dass man besonders ansteckend ist, bevor man selbst Symptome spürt. Aber wie ich mich tatsächlich fühle, lasse ich nicht ausschließlich von einem Test bestimmen – sei er auch noch so sensibel.