Interessant: Selbstgespräche

„Interessante Selbstgespräche setzen einen klugen Partner voraus.“
Herbert George Wells

Ich will aus dem leeren Haus gehen und murmele vor mich hin: „Also erst in die Stadt: Karstadt und Drogerie … dann wieder zurück Wäsche aufhängen, die Waschmaschine ist dann fertig … dann die beiden Kinder meiner Freundin aus Kindergarten und Schule abholen … könnte klappen, dass ich dann pünktlich VOR meinen eigenen Kindern wieder zu Hause bin …“

Ich bin eindeutig der Typ, der – mit sich allein – Selbstgespräche führt. Sie sind vielleicht nicht interessant, aber es ist interessant, dass ich sie führe.

Selbstgespräche

„Interessante Selbstgespräche setzen einen klugen Partner voraus.“
Herbert George Wells.

Manchmal rede ich mit mir selbst: „Ich mach´ das jetzt so“, murmele ich vor mich hin – ganz neutral. „Das war nicht so schlau“ klingt schon etwas kritischer; noch schlimmer ist ein nachdrückliches: „Ich bin so blöd!“ Mit diesen Sätzen beurteile ich meine Unsicherheit sowie merkwürdige Verhaltensweisen – oft unbewusst und spontan. Solch verbalen Ohrfeigen kommen einfach so aus mir raus. Obwohl ich sie wahrscheinlich nicht vollkommen ernst meine, tut es mir gut, wenn mir jemand widerspricht, der zufällig in Hörweite steht. Denn das öffnet mir die Augen, wie ich mich eigentlich selbst wahrnehme – und das ist doch sehr interessant.

„Interessante Selbstgespräche setzen einen aufmerksamen Lauscher voraus.“
Dagmar Hecker

Selbstgespräch in laut oder leise

„Ich bin so doof!“, rutscht es mir raus, und mein Sohn antwortet prompt mit „Du bist nicht doof, Mama!“ Schön – er meint es ernst. Denn er weiß, dass solche Aussagen hängenbleiben können. Das hat er von uns: „Redet euch keinen Quatsch ein, keine Lügen. Irgendwann glaubt ihr die selbst.“ Wenn ich mit mir allein bin, korrigiert mich niemand. Da muss ich selbst darauf achten, dass ich mich in einem Selbstgespräch nicht rund mache.

Unbeobachtet (und vor allem ungehört) schimpfe ich unbeherrschter, rege mich auf oder lasse meinem Unmut (relativ) freien Lauf: „Wie kann die sowas sagen – ich fass´ es einfach nicht.“ Seltener singe ich vor mich hin: „Ich bin so toll, das habe ich aber gut hinbekommen“, oder murmele laut: „Das fährt nur so langsam, weil er in Gedanken ist, geht mir auch manchmal so.“

Dabei denke ich (denke ich zumindest!!!) ausgewogen über Situationen nach, versuche zu verstehen, versuche, das Positive zu sehen. In lauten Selbstgesprächen ist die Ausgewogenheit weg. Ist doch komisch, finde ich. Leise bin ich netter.