Selbsteinschätzung

Unsere Selbstwahrnehmung ist immer eine subjektive Einschätzung und hängt außerdem davon ab, wie ehrlich wir sind und an wem wir uns messen. All das unterliegt vielen Faktoren – unter anderem der Prägung, mit der wir großgeworden sind. In einem Artikel las ich von den einzigen zwei Hochschul-Präsidenten in Deutschland, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Beide hatten gemeinsam, dass sie sich ihre Karriere so nicht zugetraut hätten: Ihre heutigen Posten versehen sie, weil andere sie dazu ermutigt und gefördert haben. Mir geht es ähnlich – nur ohne Hochschulvorsitz. Tendenziell bin ich mir meiner Schwächen bewusst und bezüglich meiner Stärken unsicher. Ich vergleiche mich eher mit Menschen, die `mehr auf Tasche´ haben als ich: im Politikverständnis mit meinem Mann, beim Kochen mit meiner Schwägerin, hinsichtlich meiner Belastbarkeit mit Menschen, die zusätzlich zu Familie und Gemeinde noch einen Job und diverse Ehrenämter `wuppen´, und in Sachen Musik mit jedem, der besser singt, Klavier spielt oder sonstiges.

Von dieser ziemlich klaren Selbstwahrnehmung lasse ich mich nur schwer abbringen – auch wenn mir Gegenteiliges gespiegelt wird. Daher überrascht (und freut) es mich immer wieder, wenn jemand mich um Rat bittet, meine Intuition schätzt oder mir mehr zutraut als ich mir selbst.