Kontaktaufnahme

Ich laufe gegen den Wind und nähere mich langsam einem vor mir gehenden Menschen mit Hund. Der Mensch dreht sich des öfteren um und sieht mich kommen, der Hund nicht. Als ich die beiden fast erreicht habe, bemerkt mich der Hund, erschrickt und kommt (zugegeben: schwanzwedelnd) auf mich zu. Ich halte an. Der Mensch hat Knöpfe im Ohr und telefoniert offensichtlich. Um den Hund von mir abzulenken, schnipst er wortlos mit dem Finger und zeigt von mir weg. Der Hund gehorcht zögernd; ich laufe weiter. Ein paar Sekunden später höre ich aggressives Rufen hinter mir: „Emma, hierher!“ Leicht alarmiert drehe ich mich um und sehe den Hund (zugegebenen: schwanzwedelnd) auf mich zu rennen. Wieder halte ich an. Einige weitere aggressive Rufe später („Emma, hierher, hierher!“) trollt sich der Hund und trabt zurück zu seinem Menschen; ich laufe weiter. Alles zusammen dauert kaum zwei Minuten, aber es beschäftigt mich die nächsten zwanzig:

Dass der Hund Kontakt aufnehmen wollte, verstehe ich – Hunde sind soziale Wesen und verhalten sich dementsprechend. Dass der Mensch keinen Kontakt aufnehmen wollte, verstehe ich nicht – Menschen sind soziale Wesen und verhalten sich manchmal anders.

Mensch und Material

Wandern im Dauerregen stellt höchste Ansprüche an Mensch und Material, wobei der Mensch zuerst einknickt: Die Sicht ist schlecht, die Stimmung sinkt mit jedem Kilometer. Nach zwei Stunden – und noch nicht am Ziel – wünschen wir uns nur noch, dass der Regen aufhört oder wir ankommen, am liebsten beides. Das ist der Moment, in dem das Material nachgibt: „Welches Fassungsvermögen haben meine Wanderstiefel?“, frage ich mich. Mein Fuß ist von Wasser umgeben; „quitsch-quatsch“ macht es bei jedem Schritt. Wir gehen weiter, denn: Wenn auch das Material seinen Geist aufgibt, hält der Mensch noch durch. Ich gebe der Frage keinen Raum, wie die Schuhe bis zum nächsten Tag wieder trocken werden sollen. Sonst wäre es auch um den Menschen geschehen.

Eine weitere Stunde später strahlt uns unser Gastgeber für diese Nacht an. Er spricht mit starkem schottischen Dialekt, wir verstehen nicht jedes Wort. Was hängenbleibt ist: „… dry room, take off … wet – I will sort it all out for you!“ Seine Worte trösten den Menschen, sein Trockenraum dient dem Material. Am nächsten Morgen sind wir erfrischt und all unser Zeug trocken – Mensch und Material sind bereit für die nächste Etappe.