Küchenschränke

Grundsätzlich liebe ich es sauber und aufgeräumt. Meine Ansprüche in Sachen „gründliches Reinemachen“ sind jedoch in den letzten Jahren von einem hohen Level abgesunken auf ein Maß, mit dem ich leben und das ich gut leisten kann. Es ist nicht schmutzig bei uns, aber ich kann mich mit vielen anderen Dingen besser beschäftigen als zum Beispiel mit dem Auswischen von Küchenschränken.

In der Teeküche der Schule, in der ich regelmäßig aushelfe, machten wir vor den Weihnachtsferien gründlich sauber. Diese Putzaktion löste in mir ein schlechtes Gewissen aus hinsichtlich meiner eigenen Küchenschränke: „Habe ich lange nicht gemacht, wäre mal wieder nötig“, so kreisten meine Gedanken. Allerdings setzte ich diese nicht sofort in die Tat um. Ein Hinderungsgrund für derartige Reinigungsaktionen ist der Faktor Zeit: Es dauert lange – was könnte ich stattdessen alles tun. Ein weiterer Hinderungsgrund ist der auf den ersten Blick nicht sichtbare Effekt: Kein Mensch sieht, dass meine Schränke innen sauber sind – von außen nicht einmal ich selbst.

Heute kämpfte ich mit Spannungsschmerzen in der Halswirbelsäule und fragte mich, was mir unverkrampfte, leichte Bewegung verschaffen würde. Da fielen mir die Küchenschränke wieder ein. So machte ich mich an die Arbeit und wischte mich durch die Fächer, während zwei Kinder sich mit Latein-Vokabeln und Mathe-Gleichungen beschäftigten.

Was soll ich sagen: Die Vokabeln des einen und die Mathe-Aufgabe der anderen lenkten mich ab – und erfreuten mein Hirn ob der ihnen innewohnenden Logik (ein Level, auf dem ich noch mithalten kann). Sozusagen „nebenbei“ wurden meine Küchenschränke sauber. Jetzt drängt sich die Halswirbelsäule langsam wieder in mein Bewusstsein; aber in den Nachmittagsstunden hätte ich mich nicht besser beschäftigen können.

Dass ich das jemals über eine Putzaktion in meiner Küche aussprechen würde…