Verzicht oder Gewinn?

Es fühlt sich anstrengend an, auf Nahrung zu verzichten – ich habe Hunger, mir ist kalt, ich bin müde. Manchmal kommen noch Kopfschmerzen hinzu. Trotzdem esse ich hin und wieder für eine begrenzte Zeit nicht, denn es tut mir gut: Zeitlich begrenztes Fasten wirkt sich NUR positiv aus – und ist ein Gewinn für Körper und Seele.

Ich schätze, dasselbe gilt, wenn man auf anderes verzichtet: Konsum, Grübelei, Medien, Geschäftigkeit, Geräusche … 

(Lotto-)Gewinn

„Dasselbe wieder?“, fragt die Frau an der Lotto-Kasse einen Kunden. „Ja“, sagt er und schiebt hinterher: „Kommt ja doch nichts dabei heraus.“ Er solle `immer optimistisch´ bleiben, erwidert die Frau, während sie neu für ihn tippt und abkassiert.

Lotto ist mir fremd; ich habe noch nie gespielt. Jedesmal, wenn ich Zeugin eines Lotto-Spiel-Vorgangs werde, wundere ich mich deshalb über die Kosten: 30, 40 oder 50 Euro sind nicht ungewöhnlich. Laut Statistik geben über drei Millionen Deutsche 50 Euro und mehr pro Monat für Lotto aus.

Für mich persönlich sind 50 Euro Spiel-Einsatz nicht unerheblich – und (rational betrachtet) vermeidbar: Kaum einer gewinnt im Lotto das große Geld! Die Beweggründe, trotzdem zu spielen, müssen daher nicht-rationaler Natur sein: `Irgendwann muss es klappen´, denken Spieler vielleicht. Wöchentlich hoffen sie und lieben die Anspannung – und schon wieder ist ein Monat rum. In diesem Fall von `die Hoffnung stirbt zuletzt´ kann ich das fortwährende Probieren verstehen. „Kommt ja doch nichts dabei heraus“ dagegen überrascht mich: Wieso spielt einer, der nicht auf einen Gewinn hofft? Ich investiere mein Geld lieber so, dass etwas dabei herauskommt – eine Flasche Wein, ein Buch, eine Theaterkarte, ein Essen mit Freunden. Damit gewinne ich immer.

Gewinn oder Verlust?

Jugendliche sind heute im Schnitt täglich x Stunden mit digitalen Medien beschäftigt. Dort treffen sie ihre Freunde – bestenfalls – oder zocken sich durch die Nachmittage und Abende. Pausen kommen nicht vor oder werden durch virtuelle Begegnungen gefüllt. Viele Jugendliche heute sind immer beschäftigt und die Zeit vergeht.

Ich habe mich früher auch mit Freunden getroffen – analog und nicht täglich mehrere Stunden. Alternativ habe ich gelesen oder nachgedacht, aber ich war auch allein und habe gar nichts getan. Ich war nicht immer beschäftigt und die Zeit verging.

Tendenziell haben wir Beschäftigung gewonnen und Leere verloren. Ob sich das unterm Strich wie Gewinn oder Verlust anfühlt, muss wohl jeder selbst entscheiden.