Geht so nicht

Wir mussten (notgedrungen) ein neues Beet anlegen, weil eine entwurzelte Tanne eine Freifläche hinterlassen hatte. Leider liebt jegliches Unkraut frisch angelegte Beete wie die Motte das Licht: Ich muss regelmäßig jäten. Heute kommt mir dabei ein (für mich) ketzerischer Gedanke: Ich mag unseren Garten, aber ich könnte auf das `Beackern´ desselben verzichten. Leider geht das so nicht – man kann nicht alles haben wollen und nichts dafür tun.

Es sei denn, wir gestalten das Beet um in eine Sitzfläche … 

Unser Garten

Am frühen Morgen wässere ich einige unserer Büsche und lasse meinen Blick durch den Garten schweifen. Mein Mann kommt vorbei und wirft etwas auf den Kompost. „Einen schönen Garten haben wir!“, rufe ich ihm zu. „Stimmt!“ Er grinst: „Hat ja nur … 23 Jahre gedauert.“ Damals stand auf dem Grundstück ein Haus, drumherum nur Rasen mit ein paar Apfelbäumen. Nach eigenem Gutdünken haben wir Beete angelegt; Pflanzen kamen – die meisten `geerbt´ – und gingen: Einige haben wir nach ein paar Jahren wieder rausgeschmissen. Erst mit der Zeit ist der Bewuchs entstanden, den wir heute haben: wenig Stauden, viele Büsche und Bodendecker, einiges wächst ineinander, keineswegs unkrautfrei. Der Garten passt zu uns, wir finden ihn schön. Es muss nicht das Schlechteste sein, wenn etwas lange dauert.

Ein Garten und seine Folgen

Unser Garten ist groß und pflegeleicht, aber ein bisschen Arbeit fällt doch an: Rasen mähen, ab und an wässern, in den Herbstferien schneiden wir Büsche und Sträucher zurück und häckseln das Grünzeug. Die Kinder machen mit – und diskutieren im Vorfeld länger über den Einsatz, als dieser dann dauert. Aber sie kommen doch mit und finden es letztlich „ganz in Ordnung“; vielleicht auch, weil wir solch eine Garten-Aktion häufig mit Würstchen über dem offenen Feuer beenden.

Im Garten zu sitzen und ihn zu genießen, entspannt die Seele und ist Erholung für den Geist; aber im Garten zu arbeiten und ihn zu erhalten, wirkt sich noch positiver aus auf die Persönlichkeit: Eine sinnvolle, gemeinnützige Tätigkeit, deren Resultate man direkt sieht, zusammen mit liebenswerten Gefährten – was kann einen besser auf das Leben in Gemeinschaft vorbereiten?

Was unser Garten und Aktien gemein haben

Durch Aktienkäufe lässt sich Geld anlegen. Es ist sogar eine recht attraktive Möglichkeit – allerdings nur, wenn man Geld übrig hat und es nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder braucht. Aktien müssen lange liegen und sich entwickeln können. Erst dann werfen sie einen Gewinn ab. Mehr weiß ich darüber nicht.

Wir haben einen großen Garten. Vor 20 Jahren bestand dieser aus einer lang gestreckten Rasenfläche mit ein paar Obstbäumen – einfallslos und ungepflegt. In den vergangenen beiden Jahrzehnten pflanzten wir viele Pflanzen, setzten andere um oder gruben sie wieder aus. Wir jäteten häufig Unkraut, beschnitten, wässerten und düngten nach Bedarf. Ansonsten ließen wir den Garten liegen und sich entwickeln. Manche Jahre sah er schöner aus, manche weniger. Heute ist er ein gemütlicher Ort zum Spielen und Entspannen – und für uns viel mehr wert als vor 20 Jahren.

Ein Garten ist kein Muss und kostet Geld, Zeit und Interesse – am Anfang viel, über die Jahre weniger. Erst nach einigen Jahren wirft er einen Gewinn ab: als Rückzugsort, optisch oder in Form von Früchten etc. Wenn ich es richtig verstehe, ist das mit Aktien genauso.