Eine ganz normale Familie?

„Wenn die Familie in Ordnung ist, wird der Staat in Ordnung sein; wenn der Staat in Ordnung ist, wird die große Gemeinschaft der Menschen in Frieden leben.“
Konfuzius

Ein Freund von uns lebt seit anderthalb Jahren getrennt; er und seine Frau haben drei kleine Kinder. Die Jüngste ist drei Jahre alt und kann sich wahrscheinlich kaum noch an ein Leben mit Mama UND Papa zu Hause erinnern. `Normal´ ist für sie, dass ein Elternteil zu Hause – und für alles allein zuständig – ist: Beruf, Haushalt, Kindertransporte und -betreuung. Familienleben im klassischen Sinn kennt sie nicht.

Durch meine Oma kenne ich den Spruch: „Liebe Seele, hab Geduld, es haben alle beide Schuld.“ Durch meine Ehe, weiß ich, dass die Aussage stimmt – und dass Kinder NIE die Schuld daran tragen, wenn eine Ehe auseinander bricht. Dennoch sind sie diejenigen, für die eine Trennung den größten Einschnitt bedeutet – sowohl kurzfristig als auch langfristig. Wenn man Konfuzius glauben darf, sind sie nicht die Einzigen.

Familie: genau das

Als Familie macht man Dinge gemeinsam: wohnen und essen, diskutieren, streiten, lachen und weinen, spielen, manchmal sogar arbeiten. Einfach so zweckfrei zusammen zu sein – das ist wunderbar und außerdem genau das, was Familie am Leben hält.

Doch so schön das Miteinander auch ist: Man muss auch mal raus, allein sein, andere Menschen treffen. In einem guten Maß ist diese Unabhängigkeit wichtig und belebend – sowohl für den Einzelnen als auch für die ganze Familie.

Was aber, wenn man sich zu sehr unabhängig macht von der Familie? Dann leidet das Familienleben – ob man es will oder nicht. Einfach so zweckfrei zusammen zu sein: Das ist offenbar für einige (in einem bestimmten Alter) nicht sehr attraktiv und bleibt aber genau das, was Familie am Leben hält.

Nicht systemrelevant?

Von Konfuzius stammt: „Wenn die Familie in Ordnung ist, wird der Staat in Ordnung sein; wenn der Staat in Ordnung ist, wird die große Gemeinschaft der Menschen in Frieden leben.“

Ich produziere keine lebensnotwendigen Güter und bin nicht im Gesundheitssystem tätig. Ich verkaufe nichts – und verdiene nicht das Geld, das wir zum Leben brauchen. (Nicht einmal Kunst ist mein Metier.) Ich bin offenbar nicht systemrelevant, aber trotzdem wichtig – wenn auch nur für meine Familie …