Tatsächlich ergebnisoffen

Das Ideal jeder Verhandlung, jedes Streits, ist, wenn wir tatsächlich bemüht sind, dass jeder der Beteiligten zu Wort kommt und jedermanns Sicht der Dinge gleichermaßen geschätzt wird. Tatsächlich erfordert es aber Größe und ist schwierig, vorher nicht zu wissen, wo wir enden – also ergebnisoffen zu diskutieren.

Das Normale bei jeder Verhandlung, jedem Streit, ist es, wenn wir sehr bemüht sind, unsere eigene Sicht der Dinge möglichst so überzeugend darzulegen, dass diese am meisten geschätzt wird. Tatsächlich fällt es uns nämlich leichter, vorher genau zu wissen, wo wir enden – also nicht ergebnisoffen zu diskutieren.

Ergebnisoffen? Schief gelaufen!

In einer Fernseh-Sendung geht es ums Gendern. Viele Gesprächspartner sind dafür, wenige dagegen; zum Schluss können Schüler per Telefon ihre Meinung sagen. Das Urteil fällt deutlich aus: Die meisten Schüler halten Gendern für unnötig. Die Moderatorin reagiert hörbar erstaunt und meint, das Ergebnis sei ein `Aufruf, nächstes Jahr wieder eine solche Sendung zu machen´. Ihre Logik ist nicht meine – wundert mich aber auch nicht.

Natürlich wird diese Sendung kritisiert. Dabei fällt der leicht spöttische Kommentar: „Das war ja wohl nicht so vorgesehen. Was ist da wohl schief gelaufen, dass das `falsche Ergebnis´ herauskommen konnte?“ Wieso `schief gelaufen´?, frage ich mich. Es war eine öffentliche Sendung mit Live-Abstimmung. Das Resümee war eindeutig. Manchmal erlebt man eine Überraschung, wenn man ergebnisoffen diskutiert – und manchmal erfreulicherweise auch, wenn man es nicht ergebnisoffen tut.