Brauchen

Was ich brauche, ist die Basis, ohne die nichts geht.
Was ich brauche, ist nicht viel – und doch genug.
Was ich brauche, kann sich trotzdem wie zu wenig anfühlen – auch wenn ich nicht wählerisch oder maßlos bin.

Denn was ich brauche, ist eben nur, was ich brauche, und nicht, was ich gern hätte.

Brauchen wir noch?

„Kann man immer mal gebrauchen“ ist ein guter Grund, Dinge aufzuheben. „Leben mit leichtem Gepäck“ ist ein ebenso guter Grund, Dinge nicht aufzuheben. Bei zwei Erwachsenen und fünf Kindern sammelt sich eine Menge an, wenn man nicht regelmäßig aussortiert. Daher verschenken oder entsorgen wir regelmäßig – so wie vor etwa zwei Wochen unsere letzten verbliebenen Holz-Schlitten. Nach fünf Wintern ohne nennenswerte Schneemengen schien das eine gute Entscheidung zu sein.

Gestern Morgen beim Schneeschieben traf mein Mann eine Nachbarin, die keine Kinder hat und offenbar nicht so regelmäßig aussortiert. Sie besitzt drei Schlitten und borgt sie uns gern. Wir leben gut mit leichtem Gepäck – aber manchmal nur, weil andere Menschen Dinge aufheben, die man immer mal gebrauchen kann.

Was man so braucht …

Meine großen Söhne haben Stundenpläne, durch die sie oft erst nach der zehnten Stunden nach Hause kommen. Das ist anstrengend und schlägt auf die Stimmung – so auch gestern. Der eine hatte einen Stapel Bücher aus der Bibliothek unterm Arm. Er braucht sie für eine Hausarbeit, zu der er sich zwingen muss, und schaute voller Unlust auf die Lektüre. Der andere war ebenso genervt und schimpfte: „Es ist unglaublich, wie viel man lernen muss – und einfach nie wieder braucht.“ Während er die Treppe hochging, murmelte er vor sich hin: „Ich muss nicht wissen, wie viele Elektronen ein Wasserstoffatom hat.“

Es stimmt, denke ich: Inhaltlich braucht man Vieles davon nie wieder, aber das WIE des geistigen Arbeitens – gerade auch in Themenbereichen, die einen nicht interessieren – braucht man eben doch immer wieder. Mit ungeliebten Aufgaben zu kämpfen und sie klaglos zu erledigen, das hilft im Erwachsenenleben. Wahrscheinlich braucht man diese Kompetenz in den meisten Jobs, ganz sicher aber in jeder Art Familien- oder Single-Leben.

Bedürfnisse und Wünsche

Eine Freundin wies mich kürzlich hin auf den feinen Unterschied zwischen Bedürfnissen und Wünschen:

Was ich brauche, muss sein; was ich mir wünsche, wäre schön.

Was ich brauche, bleibt ziemlich gleich – egal, wie es mir geht. Klar.
Was ich mir wünsche, vermehrt sich – je besser es mir geht. Komisch.