Starr oder flexibel

Meine Tochter macht eine Exkursion mit ihrer Klasse. Ein Schüler erscheint nicht pünktlich am Bus, und wird angeschrieben: Er hat verschlafen, versichert aber, sich jetzt schnell auf den Weg zu machen. Dieser Schüler schwänzt nie und hat – im Gegensatz zu vielen anderen – tatsächlich Lust auf diesen Ausflug in die Naturwissenschaft. Die Lehrerin wartet drei Minuten über die Zeit und bricht dann mit dem Rest der Klasse auf; der verspätete Schüler verpasst den Bus. Dieser starre Umgang mit Pünktlichkeit wirft einen dunklen Schatten auf diese ansonsten sehr schöne Tugend und hilft zudem keinem Menschen. Wie schade!

In der Schule wird eine Klausur geschrieben; als Entschuldigung gilt nur ein ärztliches Attest. Zwei Schüler erscheinen nicht: Einer hat Covid-19, der andere ist ein Flüchtling, der aus anderen Gründen nicht erscheinen kann. Der Lehrer lässt beide nachschreiben – auch ohne ärztliches Attest. Dieser flexible Umgang mit einer Regel entwertet dieselbe nicht und hilft noch dazu den beiden Menschen. Wie schön!

Mir fällt die Geschichte von Jesus ein; seine Jünger raufen am Sabbat Ähren aus (und essen die Körner). Für die Pharisäer sieht das wie Arbeit aus: „Wie können sie nur!“, denken und sagen sie dann auch – in anklagendem Ton. Sie mögen Jesus nicht und suchen ständig nach etwas, das sie ihm `ankreiden´ können. Und was antwortet Jesus, der die Regeln besser kennt, aber auch barmherziger ist als jeder Pharisäer? „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbat willen.“ (Markus 2, 27) Wie wahr!

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