Sport und so

Kürzlich diskutierte halb Deutschland darüber, dass Frauen im Profifußball nicht nur weniger verdienen als die Männer, sondern insgesamt viel zu wenig. Das gilt umso mehr für die meisten anderen Sportarten – egal, ob Männer oder Frauen sie ausüben. Ein fußballbegeisterter Mensch in meiner Familie findet diesen Umstand durchaus ungerecht, gibt aber zu bedenken: „Wo soll das Geld denn herkommen?“ Herren-Fußball sei nun einmal der Sport, den die meisten sich anschauten und viele selbst ausübten; Markenhersteller würden lieber mit einem Fußballer werben als mit einem Zehnkämpfer oder gar Tischtennisspieler; und die Fußball-Vereine hätten einfach `wahnsinnig viel Geld´. Daran ließe sich nicht so leicht etwas ändern.

Wahrscheinlich hat er Recht: Was nicht da ist, lässt sich schlecht verteilen. Andererseits sind wir als ganze Nation aber nicht nur dann enttäuscht, wenn `unsere Elf´ den WM-Titel nicht holt. `Wir´ schimpfen auch über das schlechte Abschneiden all jener Sportler, die Deutschland anderswo erfolglos vertreten – zum Beispiel im Schwimmbecken, auf der Tartan-Bahn oder am Stufenbarren. Immer bemängeln Journalisten dann auch die ungerechte Unterstützung und Entlohnung anderer Spitzensportler. Aber abseits großer Ereignisse wie Olympia oder der einen oder anderen Leichtathletik-Meisterschaft berichten sie herzlich wenig über Nicht-Fußball. Auch die beste Sendezeit im Fernsehen ist der Bundesliga vorbehalten – oder all den Wettkämpfen, bei denen das `Runde ins Eckige´ muss. Das ist einfach so.

Dabei betreiben ALLE Profi-Sportler einen immensen Aufwand, um in ihrer Disziplin sehr gut zu sein. Es wäre schön, wenn sie dann auch ALLE gut davon leben könnten und ihre Nation hinter sich wüssten. Wie und wodurch das gelingt, weiß ich auch nicht: Aber wenn man an den vorhandenen Strukturen festhält, wird Fußball diesbezüglich weiter in einer anderen Liga spielen – unabhängig davon, ob sich die meisten Menschen dafür interessieren oder nicht.

Kürzlich zum Beispiel beherrschte die Leichtathletik-EM in München die Sportschau und die Gemüter; die Deutschen Teilnehmer lieferten super Ergebnisse. In der Zeitung fand sich die eine oder andere (kleine bis mittelgroße) Notiz dazu. Da geht noch ein bisschen mehr, finde ich, regelmäßig und immer wieder. Eine veränderte mediale Aufmerksamkeit (langfristig und dauerhaft) zöge sicherlich ein verstärktes öffentliches Interesse für all die Rand-Sportarten nach sich, denen man nachgehen kann. Vielleicht würden dann (langfristig und dauerhaft) auch ein paar mehr Kinder laufen wollen oder springen, turnen, schwimmen, schießen usw. Mindestens deren Eltern läsen gern darüber oder verfolgten Sendungen dazu – so dass Werbung sich lohnen würde. Könnte ja sein.

Auch dann würde es nicht schnell und umfassend anders: Das Sportinteresse der Deutschen wird sicher nie gleichmäßig verteilt sein. Jedes Land hat Lieblings-Sportarten. Wahrscheinlich bleibt Fußball bei uns immer auf Platz eins – es ist schließlich ein Spiel, das sich für die Menge eignet wie kein anderes. Aber wir könnten es anderen Sportarten (und den dazugehörigen Athleten) leichter machen.

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