So lernen die alle nix

In einem Artikel über Bildung kommt eine Frau zu Wort, die am liebsten das Schulsystem in Deutschland reformieren möchte. Kinder bräuchten etwas anderes als dozierende Lehrer. Es müsse „mehr Abenteuer“ dabei sein, wenn ein Kind etwas lernen soll. Und dann erklärt sie, wie man Aufgaben spannender gestalten könnte …

Wieder ruft jemand nach einer Schulreform – ich lese davon nicht zum ersten Mal. Motiviert sind diese Reform-Forderer meistens durch die meiner Meinung nach ziemlich überhebliche Überzeugung: „Wenn es weitergeht wie bisher, lernen die alle nix.“ Als wären wir alle doof, die wir früher zur Schule gingen – ohne Abwechslung und mit viel Wiederholung. Als wäre den Kindern und Jugendlichen heute nur noch ein Lernen zuzumuten, das einen direkten Bezug zum eigenen Alltag hat. Als wäre es realistisch, dass alles, was man im Leben braucht, sich im Vorbeigehen und spielerisch lernen ließe.

Vielleicht bin ich zu unkritisch oder zu wenig „im Thema“, auf jeden Fall aber nicht nachhaltig geschädigt durch meine Schulzeit. Stattdessen denke ich dankbar an meine Lehrer, die sich geduldig und kompetent meiner Bildung gewidmet und mein (mir manchmal unbequemes) Mittun daran immer wieder eingefordert haben.