In einem Klamotten-Laden duzt die Verkäuferin an der Kasse die Kunden, die bezahlen wollen. Die Dame vor mir ist in meinem Alter und akzeptiert stillschweigend. Auch mich fragt die sehr junge Frau: „Möchtest du eine Tüte?“ Ich verneine und frage zurück, ob es Firmenphilosophie sei, jeden Kunden zu duzen. Sie wird rot und erklärt stammelnd, sie würde ihre Kollegen ja auch duzen. Weil es mich wirklich interessiert, frage ich noch einmal, ob das eine Vorgabe sei. Schließlich würde sie mich auf der Straße sicher nicht duzen.
Die Verkäuferin druckst herum, wechselt sofort zum Sie – und ist dabei ein ganz bisschen pampig: „Möchten SIE eine Tüte?“ Ich lehne wieder ab, nehme meinen Bon und verabschiede mich.
Bin ich kleinlich, frage ich mich auf dem Weg nach Hause, oder sogar spießig? Wenn ja: Macht mir das etwas aus? Nö. Ich mag es einfach nicht, wenn Leute mich gnadenlos niederduzen, nur weil ich bei ihnen einkaufe. Es hat weniger mit dem Alter zu tun, dafür mehr mit Respekt. Andere mögen das altmodisch finden oder überholt; für mich persönlich gehört zum Du eine gewisse persönliche Beziehung.

